Der Winter ist nun endgültig da. Als ich vorgestern mit einer Packung Thymian über den Parkplatz des sogenannten Walmart Neighborhoodstores lief tröpfelte erst mal nur der Nieselregen in mein Gesicht. Herrlich, war mein erster Gedanke, wie in Deutschland. Wenn man immer nur gutes Wetter hat, dann ist man es irgendwann einfach leid. Einkuscheln zuhause macht dann gar keinen richtigen Spaß. Der Tag war perfekt für schlechtes Wetter – Thanksgiving, ein Feiertag. Gerade deswegen war der Walmart wohl auch so überfüllt. Ich war froh, dass mein Mann bereits alle Zutaten bis auf das Thymian für das Thanksgiving-Dinner schon einen Tag vorher besorgt hatte. Sogar Wein hatten wir, für die Soße. In Texas gibt es ein Gesetz, dass den Kauf von Alkohol erst nach 12 Uhr erlaubt, ich bin mir aber nicht sicher ob das nur für das Wochenende gilt oder auch unter der Woche. Jedenfalls ist das Weinregal solange gesperrt.
Wir fingen gleich morgens an zu kochen. Mein Mann machte seine berühmte Pumpkin-Rolle, ein mit Vanilla-Frischkäse gefüllter Kürbiskuchen, Stuffing – ursprünglich wohl die Füllung des Truthahns, nun aber eine notwendige Beilage und grüne Bohnen mit französischen Rostzwiebeln und Cremefüllung. Ich schnitt währenddessen Unmengen von Äpfeln und Zwiebeln, würzte den Truthahn und stopfte die Apfel-Zwiebel-Thymian-Rosmarin Mischung in das tote Tier hinein. Den Truthahn hatten wir umsonst vom Militär bekommen, sozusagen ein Feiertagsgeschenk.
Hausfreund und American Footballfan SSG P., den mein Mann schon seit Deutschland-Zeiten kennt, kam pünktlich zum traditionellen Thanksgiving-Football und wie in einem schlechten amerikanischen Film sprangen die beiden auf dem Sofa herum und tranken dabei Light Budweiser.
Die Soße köchelte gemütlich vor sich hin und mein Sohn nahm den einen Hund und ich den Anderen und wir drehten eine Runde durch das Wohngebiet.
Gegen fünf kamen die anderen Gäste. Ein Paar, welches am Tag zuvor geheiratet hatte. Wir hatten der Hochzeit beigewohnt. Nach meinem Hebammen-Besuch zog ich mich im Auto um. Zwei Soldaten liefen vorbei und lachten über meine Verrenkungen. Mir war es egal. Die Hochzeit war so typisch für die Army. Sie kannten sich ein halbes Jahr, sie war schwanger, beide mit 22 noch sehr jung. Er in Ausgehuniform in einer Militär-Kirche. Nicht nur ich hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Großmutter fiel zwischen die Kirchenbänke. Ich dachte an das grosse Werbeschild vor der Army-Post: Battles at Home? Military Divorce call 915 XXX XXX
Ich machte jede Menge Bilder, die allerdings fast alle zu dunkel waren. Die Kirche war zudem kein fotogener Ort. Ein gutes Bild vom Brautpaar ist mir gelungen. Dieses werden wir einrahmen lassen, in einem Grossformat für das Brautpaar. Wenn sie dann mal zusammen ein Haus gefunden haben, dann können sie es aufhängen.
Wir aßen gemeinsam in der Küche und mein Truthahn war saftig und würzig. Das Rezept hatten wir bereits im letzten Jahr ausprobiert und es hatte sich als hervorragend erwiesen. Irgendein Koch von einem gewissen Schloss Auerbach hatte es kreiert und es stand auf der Webseite des hessischen Rundfunks. Ich öle den Truthahn zusätzlich immer noch ein, damit er nicht zu trocken wird. Wäre es nach meinem Mann gegangen, dann hätte ich an gewissen Stellen auch noch Alu-Folie anbringen müssen, so dass der Truthahn ausgesehen hätte wie ein eine sonnenverbrannte Strandnixe im Bikini. einen seltsamen Humor hat er manchmal.
Danach schauten wir zum x-ten Mal Transformers. Für SSG P. ist mit diesem Film ein Kindheitstraum wahr geworden, die Transformers scheinen lebendig. Ich finde die Story und auch die Charaktere arg flach aber muss sagen dass man sich mit mit den Spezialeffekten sehr viel Mühe gegeben hat. Da war ein Genie am Computer würde ich sagen.
Heute nun scheint es heftig in El Paso. Eine Kaltfront zieht über die Stadt hinweg und bringt Unmengen Schnee in diese trockne Gegend. Die Palmen des Nachbarn tragen also heute weiss und ein Ende des Schneechaoses ist nicht in Sicht. Ich glaube auch kaum, dass irgendjemand in der Strasse einen Schneeschieber hat. Die Hunde liegen friedlich in der Küche, der Boxer kennt keinen Schnee und dem Basset ist es zu nass weswegen sie sich weigern raus zu gehen. Das Kind nahm seinen Werkzeugkasten und rührte gleich nach Sonnenaufgang in der weissen Pracht herum, entschied sich dann aber dafür mir zum zehntausendstenmal ein und das selbe Buch vorzulesen und nun sitzt es friedlich in seinem Zimmer und ich glaube ich höre die Geräusche eines Flugzeugträgers.
Morgen noch und dann ist das Feiertagswochenede auch schon wieder vorbei und wir können langsam mit den Vorbereitungen für das Weihnachtsfest beginnen. In der richtigen Stimmung sind wir schon – mit all dem Schnee.

2 comments
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November 26, 2007 um 1:10
schneegespenst
Schnee? Ich hätte jetzt mit allem gerechnet, aber nicht das es in El Paso schneit. Ist Thanksgiving eigentlich der wichtigste Feiertag in USA?
November 26, 2007 um 10:54
kleeblumenkranz
@schneegespenst: Ich kann nicht sagen ob es der wichtigste Feiertag hier in Amerika ist. Ich glaube Weihnachten ist doch noch wichtiger. Allerdings ist Thanksgiving ein richtiges Familienfest so mit endlosen Staus und gutem Essen wobei einen Tag nach Weihnachten der Alltag wieder eintritt.
Das letzte Mal, dass ich so viel Schnee wie die letzten Tage in El Paso gesehen habe war in Baumholder. Ich denke aber nicht, dass das ab jetzt die Regel sein wird. Niederschläge sind eigentlich selten. Aber kalt wird es im Winter dennoch.