Heute morgen erhielt ich einen Anruf. Eine staatliche Behörde machte eine Umfrage zwecks der Krankenversicherung des Militärs. Zur Qualitätssicherung der medizinischen Versorgung durch ein MTF (Military Treatment Facility) wird man öfter mal befragt, meistens jedoch kann man online einen lustigen Fragebogen ausfüllen. Was einem auffällt bei diesen Umfragen ist immer die Frage nach der eigenen Rasse. So fragte mich auch dieses Mal jene Dame am Telefon danach und ich sollte jeweils mit ja oder nein antworten: Sind Sie Hispanic? Sind Sie native American?…. Keiner fragt einen hier nach der Nationalität, ich glaube aus Gründen von einem der unzähligen Anti-Diskriminierungsgesetze. Daran kann man unschwer erkennen, dass man in einem Einwanderungsland lebt. Hier eine öffentliche Diskussion im Stil von Roland Koch zu führen, wäre undenkbar, weil ja irgendwie fast jeder einen Immigrationshintergrund hat.
Auch bei anderen Gelegenheiten wird auf fast jedem Schnipsel Papier, den man so ausfüllen muss, nach der Rasse gefragt für statistische Erhebungen. Zumindest ist das meine Vermutung. Denn ab und zu kriegt man solche Statistiken sotiert nach der Rasse auch mal zu sehen. So zum Beispiel als ich eine Report Card der Schule meines Sohnes erhielt. Darin eine statistische Erhebung der Leistungen der Schüler der Schule verglichen zum Staatsdurchschnitt, schön untersortiert nach den prozentualen Anteilen der Leistungen verschiedener Rassen.
Oder als ich zur Schwangerschaftsorientierung musste. Wie sich herausstellte haben verschiedene Rassen verschiedene häufig auftretende medizinische Komplikationen, daher wird vorher schon selektiert und das jeweilige Risiko erfasst. Darum also wieder eintragen ob man weiss oder schwarz oder gar grün ist.
An eine solche statistische Erhebung musste ich auch denken als wir mit einer Zuckerwattenmaschiene durch El Paso fuhren. Diese war für meinen Schwager auf der Insel bestimmt, der da ein Zuckerwatten-Business eröffnen wollte. In meinem Kopf hatte ich plötzlich nicht nur kleine sonnengebräunte Kids unter Palmen die bunte Zuckerwatte essen sondern auch jene Information über das erhöte Diabetes Risiko von Pazifik Islandern aus eben solchen Statistiken. Die Leute auf dem Postamt fanden die Zuckerwattenmaschine interessant, der Schwager ist glücklich und hat bereits neue Geschäftsideen und ich hab das ungute Gefühl, dass man doch hätte besser bei Kokosnuss, Mango und Co. bleiben sollen.
Allerdings sind solche Erfassungen der Rasse durchaus von Vorteil, gerade im Bildungssektor wird da viel getan um weniger präsente Gruppen individuell zu fördern. So gibt es unter anderem bestimmte Stipendien, die z.B. für Hispanics gedacht sind, Billingual-Classes ab dem Kindergarten sind zumindest hier Standart um Immigrantenkindern eine faire Chance zu geben und nicht zuletzt steht America vor einem Sprachwandel in dem Spanisch eine immer größere Rolle spielen wird weil Statistiken ergeben haben, dass Kunden einen spanisch sprechenden Kundenservice wünschen und das nicht nur in El Paso. Warum auch sonst haben wohl Hillary und Obama ihre Wahlkampfseiten sowohl in Englisch und auch Spanisch online gestellt? Wegen den Statistiken….

5 comments
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Januar 15, 2008 um 8:05
schneegespenst
Meinst du, dass dadurch der Rassimus gestärkt wird? Oder empfinden die Menschen das nicht so?
Was hast du als Rasse angegeben? Europäer?
Januar 16, 2008 um 8:09
kleeblumenkranz
Ich glaube nicht, dass das irgendwer als rassistisch empfindet. Zumal die Amerikaner von klein auf daran gewöhnt sein dürften, dass sie angeben müssen was für einer Rasse sie angehören. Europäer kann man nicht angeben. Die Auswahlmöglichkeiten sind meistens folgende: Caucasian oder White,African American oder Black, Hispanic, Native American, Asien, Pazific Islander und Other.
Interessant ist nur, dass es offenbar in vielen Sektoren wirklich oder immer noch eine Rolle spielt was für eine Hautfarbe man hat. Bei Prostatakrebs zum Beispiel hat man als weisser Mann und schwarzer Mann ein erhötes Risiko aber offensichtlich nicht als Asiate. Da gibt es Tausende Studien dieser Art. Auch in jedem Schwangerschaftsratgeber stehen die Risiken für das Baby jeh nach Rasse drinnen. Ich glaube sowas habe ich in Deutschland nie gesehen.
Januar 16, 2008 um 8:10
Kvelli
Ein sehr interessantes Thema, über das Du berichtest. Da Du Roland Koch ansprichst, ich glaube, dieser Krawallpolitiker mit seiner derzeitigen Wahlkampf-Aktion, er würde auch liebend gern solche Erhebungsbögen ausfüllen lassen.
Vielleicht schreibe ich ihm mal davon.
Einen lieben Gruß und Carpe Diem
Senioren-Lobby
Januar 17, 2008 um 2:35
schneegespenst
Das habe ich so bei uns auch noch nie gesehen. Sinnvoll finde ich es aber schon. Diese Studien sind sicher auch bei uns vorhanden, nur werden sie offenbar nicht angewandt.
Januar 25, 2008 um 10:26
Sandra
Naja, auf Grund der Deutschen Vergangenheit ist man hier ja etwas sensibel mit dem Begriff „Rasse“….naja, und die Nationalität bringt einen in Amerika ja nicht weit….Amerikaner gibt es ja nun wirklich in allen „Farben“….da ist es nur sinnvol nach den Rassen zu fragen. Hier haben wir wohl auch nicht so einen bunt gemischten Haufen an Rassen, dass es sinnvoll oder lohnenswert wäre auf die medizinischen Belange einzelner Rassen einzugehen….