Hurricane Ike zog nun also mit gewaltiger Kraft über die Küstengebiete von Texas hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Leute rufen an, fragen wo ich sei. In Texas sage ich, aber wir haben schönes Wetter. Einige rufen auch aus den betroffenen Gebieten an. NO SIGNAL. Ich kann nichts für sie tun, auch wenn ein Generator läuft, ich kann erst jemanden raus schicken wenn es wieder Strom gibt. Ich frage sie wie es war. Sie sagen es sei schlimm gewesen, angsteinflössend, umgestürzte Bäume in der Nachbarschaft, schwere Sturmschäden an den Dächern. Sie wollen gerne Fernsehen, Nachrichten, Sport, es ist nicht nur Hurricane- sondern auch Football Season. Ich zeige aufrichtige Anteilnahme. So wie ich es schon bei Gustav getan habe, in den betroffenen Gebieten hat es die Schüsseln von den Dächern gehauen, sie müssen noch ein paar Tage ohne Fernsehen auskommen. Die Installateure werden alle Hände voll zu tun haben. Bis jetzt kamen nur Anrufe aus den Randgebieten. Galveston wird wohl erst nächste Woche folgen, es wird noch viel viel mehr Anrufe geben, Wir schieben ohnehin schon Sonderschichten und arbeiten sechs Tage in der Woche. C. füttert mich währenddessen mit Gummibärchen, ich fühle mich wie ausgebrannt, Call after Call.

Ich habe mir die Zeitung gekauft. Hurricane Stories füllen die endlosen Blätter. Eine Frau hat ein Baby geboren, auf der Toilette einer Kirche, die als Unterkunft für die Evakuierten dient, Freiwillige haben ihr geholfen – ich mag solche Geschichten.
Auch deutsche Nachrichtenseiten berichten online über Ike. Böse, Böse Kommentare der Leser. Ike hätte Texas vernichten sollen, wünschen sich nicht wenige. Sie sitzen daheim bequem und fett auf ihren Stühlen, während hier ganze Existenzen vernichtet werden, Häuser brennen und Menschen sterben. Ich verstehe es nicht. Hier geht es doch um menschliche Schicksale wie kann man so sein?