Hurricane Ike zog nun also mit gewaltiger Kraft über die Küstengebiete von Texas hinweg und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Leute rufen an, fragen wo ich sei. In Texas sage ich, aber wir haben schönes Wetter. Einige rufen auch aus den betroffenen Gebieten an. NO SIGNAL. Ich kann nichts für sie tun, auch wenn ein Generator läuft, ich kann erst jemanden raus schicken wenn es wieder Strom gibt. Ich frage sie wie es war. Sie sagen es sei schlimm gewesen, angsteinflössend, umgestürzte Bäume in der Nachbarschaft, schwere Sturmschäden an den Dächern. Sie wollen gerne Fernsehen, Nachrichten, Sport, es ist nicht nur Hurricane- sondern auch Football Season. Ich zeige aufrichtige Anteilnahme. So wie ich es schon bei Gustav getan habe, in den betroffenen Gebieten hat es die Schüsseln von den Dächern gehauen, sie müssen noch ein paar Tage ohne Fernsehen auskommen. Die Installateure werden alle Hände voll zu tun haben. Bis jetzt kamen nur Anrufe aus den Randgebieten. Galveston wird wohl erst nächste Woche folgen, es wird noch viel viel mehr Anrufe geben, Wir schieben ohnehin schon Sonderschichten und arbeiten sechs Tage in der Woche. C. füttert mich währenddessen mit Gummibärchen, ich fühle mich wie ausgebrannt, Call after Call.
Ich habe mir die Zeitung gekauft. Hurricane Stories füllen die endlosen Blätter. Eine Frau hat ein Baby geboren, auf der Toilette einer Kirche, die als Unterkunft für die Evakuierten dient, Freiwillige haben ihr geholfen – ich mag solche Geschichten.
Auch deutsche Nachrichtenseiten berichten online über Ike. Böse, Böse Kommentare der Leser. Ike hätte Texas vernichten sollen, wünschen sich nicht wenige. Sie sitzen daheim bequem und fett auf ihren Stühlen, während hier ganze Existenzen vernichtet werden, Häuser brennen und Menschen sterben. Ich verstehe es nicht. Hier geht es doch um menschliche Schicksale wie kann man so sein?

11 comments
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September 14, 2008 um 1:30
ehefrau
ich habe die ganze zeit an euch gedacht und gehofft, daß der “kelch” an euch vorüberzieht!!!
ich bin froh, von dir zu lesen, und zu hören, daß bei euch alles gut ist.
gott sei dank.
wie andere menschen so sein können, kann ich dir auch nicht sagen. Manchmal ist es mir direkt peinlich, daß ich zur gleichen gattung gehöre, wie diese vertreter der menschlichen art.
September 14, 2008 um 1:34
Kvelli
Ich habe mich vorhin richtig gefreut, von Dir zu lesen, dass nichts passiert ist. Gut, Texas ist groß und von der Küste nach El Paso ein weiter Weg, aber bei solch gewaltigen Stürmen weiß man ja nie.
Ja, und Du hast Recht. Vielen dieser “Idioten” kann man einfach nicht helfen, die müsste man einfangen und in solch ein Gebiet bringen, damit sie mal mit dem Leid der betroffenen konfrontiert werden. Ich glaube bei denen hilft nur eine echte Schocktherapie, wenn überhaupt.
Aber rege Dich nicht zu sehr auf, denn vielen hier ist es ohnehin völlig egal was in Texas oder Haiti passiert. Es ist ein Trauerspiel, die Menschen werden immer abgestumpfter.
Hier regen sich die Menschen nur schlimm auf, wenn ihre Keller nach starken Regenfällen volllaufen. Dass anderswo Menschen ihr Leben oder ganze Existenzen verlieren, das führt hier zu kaum noch einer Diskussion, wird als normal in diesen Gebieten angesehen.
Aber ich glaube es wird nicht mehr lange dauern bis auch solche Katastrophen Europa erreichen und regelmässig verwüsten werden. Dann vielleicht wachen die Menschen auf und nehmen nicht nur Anteil an Erdbeben-Katastrophen.
Trotz allem sende ich Dir ganz liebe Grüße vom alten Kontinent und halt die Ohren steif!
Kvelli
September 14, 2008 um 5:11
Tuffelchen
Hallo M,
ich hab gerade mal in Deinem Blog gestöbert und finde ihn sehr spannend. Zumal eine frühere Freundin aus der ehemaligen DDR auch mit einem Mann von der Army verheiratet und nach Amerika gegangen ist. Ich meine sogar, sie hat auch ne Weile in El Paso gelebt.
Ich würde mich freuen, wenn ich Dich bei mir verlinken darf!!
LG
Tuffelchen
September 15, 2008 um 12:16
Luiza
…GOTTSEIDANK geht es Dir gut:-)
Zum letzten Drittel im Beitrag fällt mir ein: wenn irgend ein Arsch aus Deutschland sich wünscht, dass irgendwas in den USA vernichtet werden soll, der soll erstmal hinfahren, dann wird er sehen, dass es ihn verändern wird…
Wir planen schon den nächsten Trip;-) Es wird entweder wieder Arizona oder Colorado *froifroi*
Viele Grüsse
Luiza
September 15, 2008 um 3:02
ninifee
Hi,
ich habe auch gegoogelt, wo denn nun El Paso genau liegt. Aber ihr seid ja zum Glück recht weit weg von der Küste. Puhhh. Das mit den bösen Kommentaren ist halt das St. Florians Prinzip: Verschon mein Haus – zünd andre an – gepaart mit Dummheit = blöde Kommentare. Mir tun die Leute schrecklich leid – vor allem – der nächste Sturm kommt bestimmt? Ich würde es wahrscheinlich nicht aushalten. Vielleicht muss man dort geboren sein? Ich würde hier ja auch nicht weggehen – egal was kommt.
Ich wünsch Dir gute Nerven, noch mehr Gummibärchen – sofern du das verträgst und jetzt noch eine Gute Nacht.
ELG
ninifee
September 16, 2008 um 12:57
schneegespenst
Hab an dich gedacht und habe mir angesehen, wie seinen Weg zieht und so wie es ausgesehen hat war El Paso ja weit genug weg. Die Stadt mit dem grooooooßen Strand. Die Küste in weiter Ferne.
September 17, 2008 um 10:46
kleeblumenkranz
@Ehefrau: ja, ich glaube wir haben nochmal Glück gehabt, das Teil war wirklich riesig. Mir geht es genauso wie dir und es ist mir manchmal peinlich zur gleichen Gattung zu gehören. Wir beide haben da ja Erfahrungen mit solchen Menschen.
@Kvelli
abgestumpft – das beschreibt es ganz gut. Haiti und andere Inselstaaten sind wesentlich schlimmer dran als Texas. Texas steht finanziell besser da und wie die Amis nun mal sind kommt da ganz viel Unterstützung von anderen Bundesstaaten. Ich denke Deutschland wird auch in Zukunft solche Stürme nicht zu erwarten haben, Gott sei Dank!
@Tuffelchen
Klar, darfst du mich verlinken. Ich setze dich auch gerne bei mir mit rein. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass viele aus der ehem DDR entweder mit oder ohne Militäranhang in die USA gekommen sind. Die Militärpost hier in E.P. ist relativ groß, kann schon sein, dass deine Freundin mit ihrem Mann hier stationiert war. Ich gucke dann gleich mal in deinen Blog um mal zu schauen wer du eigentlich bist. Freut mich aber, dass du den Weg hierher gefunden hast.
@Luzia
Ich habe es auch gemerkt, dass einen die USA sehr verändert. Man wird irgendwie offener und denkt nicht mehr ganz so kleinkariert. Vieles worüber man sich vorher Gedanken gemacht hat, verliert auch einfach an Bedeutung wenn man ins Anlitz dieser Großmacht blickt. Manche Deutsche, die eine Weile hier gelebt haben sagen sogar, dass sie nicht wissen ob sie jemals wieder in Deutschland leben könnten. Ich war immer noch nicht in Arizona oder Colorado. Sind ja auch beides faszinierende Wüstenstaaten. Ich hoffe das klappt mit der Reise alles so wie du dir das vorgestellt hast. Schade, dass die Entfernungen hier so unendlich weit sind, sonst hättest du mal hier vorbeischauen können. Ich hätte mich gefreut.
@Ninifee
Nicht jeder ist geschaffen dafür hierher zu kommen und glücklich zu werden. Viele trennen sich auch wieder von ihren Männern um zurück nach Deutschland zu gehen. Das kommt immer ganz drauf an. Für mich war es die richtige Entscheidung, trotz der lauernden Gefahren. Was die eigentlichen Texaner dazu bewegt an der Küste zu leben? Ich denke mal es ist einfach ihre Heimat und dem überwiegenden Teil der Bevölkerung gehört einfach das Land, naja und hier ist eben meistens gutes Wetter, dafür nehmen sie Hurricans eben in Kauf. Sie haben sich einfach mit der ständigen Gefahr abgefunden, denke ich.
@Schneegespenst
Ja, der Strand ist groß genug, wir merken hier nix von irgendwelchen Ikes oder Gustavs oder wie sie sonst noch so heißen. Uns könnte dafür jederzeit ein Erdbeben durchschütteln. Ist doch beruhigend, oder?
September 18, 2008 um 12:17
Luiza
Guten Morgen,
ja, wenn man einmal in den USA war, wenn auch nur 4 Wochen, dann fühlt man sich zumindest die ersten Tage in Deutschland, ziemlich eingeengt und alles scheint völlig wortlos und kalt…
Das fühlt man sogar, wenn man aus Holland kommt. Die Leute sind hier etwas besser aufgelegt:)
Viele Grüsse
Luiza
September 18, 2008 um 1:51
Wienermaedel
Naturkatastrophen sind furchtbar und niemandem steht es zu, negative Kommentare abzugeben.
Ich habe mich über deinen Besuch in meinem Blog gefreut. Es ist unglaublich, wieviele Menschen irgendwann in ihrem Leben mit der Töpferei zu tun hatten, ich bekomme so viele positive Rückmeldungen und freue mich sehr darüber!
Liebe Grüße aus dem Salzkammergut
September 18, 2008 um 2:46
curioustraveller
Wie man die Menschen in Deutschland erlebt, das hängt, glaube ich, auch sehr stark davon ab, wo man lebt. Die Norddeutschen gelten gemeinhin als verschlossener (ein unberechtigtes Vorurtei…), die Schwaben als arbeitsam (da ist was dran) und die Bayern als … naja … volkstümlich. Ich selbst komme ursprünglich aus Baden, einer Weingegend und die Badener haben den Ruf, gemütliche Leute zu sein. Jetzt lebe ich im Großraum Frankfurt und bin bemüht, mit der Hektik, dem Stress und der Müdigkeit in einer Umgebung, in der fast nur Banker wohnen, zurechtzukommen.
Das dürfte übrigens in den USA nicht anders sein: Die Amerikaner, die ich kennengelernt habe, waren völlig unterschiedlich: Konservative Christen aus Alaska oder dem mittleren Westen (etwas gewöhnungsbedürftig für mich…), Lässige Typen aus Florida oder Kalifornien, Gebildete und Intellektuelle aus New York und zutiefst patriotische Amerikaner aus dem “Bible Belt”. Alle liebenswürdig auf ihre Art, aber man musste teilweise lernen, mit ihnen umzugehen … die “do’s” und “don’ts”… die tiefgläubigen unter ihnen z.B. hatten ein Problem mit den freimütig fluchenden Deutschen (wobei wir echt nur das deutsche Standardschimpfwort verwendeten…).
Was die Kommentatoren zu “Ike” betrifft: Idioten gibt es überall. Im Internet haben sie (leider) ein Forum bekommen, sich der Welt gegenüber zu äußern. Sich darüber aufregen bringt nichts, da ist ignorieren die einzige Lösung. Zumindest solange die Vernünftigen noch überwiegen …
September 25, 2008 um 10:06
kleeblumenkranz
@Luzia: Ich kann nachvollziehen wie du fühlst. Ich kenne leider die Holländer nicht. Aber ich würde mal vermuten, dass es an sich ein recht lustiges Völkchen ist.
@Wienermaedel: Töpfern ist toll, ich hoffe du bleibst bei diesem Hobby und wir kriegen noch viele schöne Stücke von dir zu sehen.
@Curioustraveller: ich habe bei den Norddeutschen, die ich kennengelernt habe auch eher den Eindruck gehabt sie seien kälter. Amerikaner sind auch nicht immer einfach manchmal fehlen mir hier tiefgründige Gespräche, die kann man nur mit wenigen führen, weil für viele Religion, Politik und Privates eben nicht zu täglichen Gesprächsthemen gehören. Dafür wird man in Ruhe gelassen und niemand gets into my business, wie es so schön heisst. Die Amis arbeiten für meinen Geschmack auch etwas zu viel was alles ein wenig hektischer macht.
Viele Amerikaner leben auch echt unter Bedingungen, die in Deutschland undenkbar sind und dennoch beschweren sie sich nicht und wirken insgesamt viel glücklicher. Finde ich sehr erfrischend.
Idioten gibt es überall, das stimmt, ignorieren ist nicht immer einfach.