Neulich telefonierte ich mit meiner Allerliebsten Lieblingscousine und erzählte ihr von der netten kleinen OP, die mein Mann neulich hatte. Sie meinte ich sollte das bloggen. Nur mal vorab:
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Es fing vor langer langer Zeit an als ich eine kleine Erhebung auf dem Rücken meines Mannes entdeckte. Toll, dachte ich, da kann man drauf rumpressen. Ich hielt es für einen regulären Pickel. Mal ganz ehrlich, wer freut sich nicht darüber wenn er auf Pickeln rumdrücken darf bis sich ein weißer Belag ergießt.
Ich drückte also darauf rum und herausgespritzt kam ein übel riechendes körniges Zeugs. Da ahnte ich bereits, dass es sich hier nicht um einen normalen Pickel handeln kann.
Einige Zeit verging und die kleine Erhebung auf dem Rücken kehrte zurück. Das Spiel fing von vorne an und an einem ruhigen Sonntag Morgen drückte ich erneut drauf rum. Auch dieses Mal kam das merkwürdig riechende Zeugs heraus.
Ich meinte damals noch er solle das doch mal untersuchen lassen. Nun endlich nach langer langer Zeit und endlosem Herumgedrücke saßen wir letzte Woche also in der Dermatologie des ortsansässigen Militärkrankenhauses. Baby und ich durften mit in das kleine Besprechungszimmer in dem sich neben einer hübschen blonden Dermatologin auch ein Nachwuchsdermatologe befand.
Bis auf die Notaufnahme geht es in dem Krankenhaus immer irgendwie lustig zu. Nachwuchsdermatologe machte Babybespaßung und gab ihr ein längliches Buch, welches er in seiner Kitteltasche mit sich herumtrug. Baby haute es mir über den Schädel was den Nachwuchsdermatologen erröten ließ. Er nahm das Buch wieder an sich und und gab ihr stattdessen das Stethoskop. Das ist dann der Moment in dem man als Mutter vorsichtig fragt ob so ein Stethoskop auch ja unkaputtbar ist. Baby riss das Stethoskop an sich und war überglücklich und mein Mann wurde mit Fragen durchlöchert.
Nachdem er sein Rückenknubbelzeugsproblem erläutert hatte fragte man eben auch mich ob das alles wäre. Ich meinte zu Frau Doktor, dass wenn wir schon mal da wären sie sich auch mal den Bauch und die Hände meiner anderen Hälfte anschauen könnte. Mein Mann hat Rubbelhände, schlimmer als jedes Sandpapier und am Bauch macht sich ein weißer Fleck breit. Frau Doktor schloß daraus, dass man(n) mich mitgenommen hatte damit ich auch ja an alle medizinischen Ungereimtheiten denke. In Wahrheit gehen wir alle gemeinsam gerne zu solchen Terminen.
Frau Doktor und der errötete Nachwuchsdermatologe begutachteten die Haut meines Mannes, es wurde mal hier und mal da gedrückt und kurzzeitig erstrahlte mein Mann sogar in blauem Licht.
Fachgespräche zwischen Dermatologin und Nachwuchsdermatologe.
Dann die Diagnose: Der Körper meines Mannes attakiert die Farbpigmente am Bauch meines Mannes, gegen die Sandpapierhände hilft regelmässiges Eincremen mit einer Spezialcreme und das auf dem Rücken war eine Zyste.
Die Ärztin wollte gleich dran rumschnippeln. Ich fragte noch ob ich da rausgehen sollte, aber sie meinte ich könne ruhig da bleiben. Und so kam es, dass wir unsere erste lokale Operation miterleben durften.
Ein uralter Anästhesist kam reingewedelt, zog eine Spritze aus der Kitteltasche, gab sie meinem Mann in den Rücken, setzte sich auf den Stuhl neben mich. Er war so uralt, dass er die Babysprache beherschte und er und Baby unterhielten sich wunderbar. Ich saß genau im Blickfeld der Operation.
Die Ärztin fragte den Nachwuchsdermatologen ob er auch mitmachen wolle und dieser konnte gar nicht schnell genug die Gummihandschuhe anziehen. Yeah Baby, Furunkel, Abzesse, Grützbeutel, Balggeschwulste und Griesknoten… Das wird ein herrlicher Tag.
Es ist schon lustig wie eine zierliche Frau wie die Dermatologin so geschickt Löcher in anderer Leute Rücken schneiden konnte. „Jetzt quetsch mal hier“, rief sie dem Nachwuchsdermatologen zu. Und dann herschte Goldgräberstimmung und das herausfließende Fettkristallzellgewebe wurde mit großen Ahhhhhhs und Ohhhhhs bewundert. Der Anästhesist, der offenbar nix anderes zu tun hatte meinte noch, dass das der Traum aller Dermatologen sei und sie vermutlich Gold und Diamanten gefunden hätte, wenn man nach den Reaktionen urteilen müsste. „Look, Look, there is more coming….Yippie!“
„Ohhhhhhh!!“
„It looks deeper than I thought!“
Das dachte ich mir auch als ich sah wie tief sie die Wattestäbchen in den Rücken meines Mannes steckten und blutig wieder rauszogen. Ich hatte den Eindruck das der Nachwuchsdermatologe glücklich war und er schien sich recht gut im Quetschen und Drücken zu machen, denn die Ärztin lobte ihn in höchsten Tönen.
Dann wurde noch schnell der eigentliche Zystensack entfernt um ein Nachwachsen der Zyste zu vermeiden. Weil das Schauspiel vorrüber war und nur noch genäht wurde, ging ich mit Baby raus in das Wartezimmer und dachte darüber nach was Dermatologen dazu bewegt Dermatologe zu werden. Meine Theorie: “ Sie liebten es als Teenager Pickel auszudrücken!“
Als mein Mann wieder zugenäht und zystenfrei aus dem Zimmer kam gingen wir noch schnell Medikamente abholen. In der freien amerikanischen Wirtschaft kann man sich seine Medikamente beflavorn lassen, gegen einen kleinen Aufpreis. Wer also sein Antibiotika gerne in der Geschmacksrichtung Stachelbeerstrauch mit einem Hauch von Katze haben möchte, der kriegt das auch. Leider bietet das die Medikamentenausgabe des Militärkrankenhauses nicht an.
Manchmal wundert sich meine allerliebste Lieblingscousine über die wunderlichen Geschichten und Gegebenheiten, die Amerika so hergibt. Sie sagt ich würde auf einem anderen Planeten leben, oder so…
Und für mich? Für mich ist das mittlerweile alles normal.

13 comments
Comments feed for this article
Januar 17, 2009 um 9:20
eine bayerin in rlp
no nie musste ich meinen brechreiz so unterdruecken wie bei dieser schilderung. oerks. toll aber dass dein mann nun zystenfrei ist. wie die dermatologen sich wohl ueber „im kreis wachsende haare in immer exakten laenge“ freuen wuerden.
Januar 17, 2009 um 8:13
eine bayerin in rlp
schlaflos in der tiefsten pfalz wollte ich noch kurz morgens um 3:11 uhr ganz liebe gruesse senden und mich herzlichst fuer die uebersandten links bedanken! ich rufe dich am dienstag oder so an, der umzug ist furchtbar. die movers haben ALLE!!! umzugsboxen einfach in die zimmermitten ausgeschuettet, einer war angetrunken etc. wir leben hier in der hoelle, f. hat cq, ein „traum“. ich war entweder am heulen oder am toben!!! ;-( bis naechste woche, ich hoffe euer 4 day weekend ist toll!
Januar 18, 2009 um 9:24
Wienermaedel
Die Schilderun ist echt stark – jetzt hole ich mir einen Kaffee!
Januar 19, 2009 um 3:44
Sandra
wow – echt schräg.
Ihr werdet ja scheinbar gerne als Vorführobjekte genutzt von den amerikanischen ärzten ?
Fühlte mich irgendwie an babys geburt erinnert.
Besonders ulkig finde ich allerdings dass man sich den geschmack seiner medizin aussuchen kann…..
Januar 20, 2009 um 12:17
Jouir la vie
Ich weiss jetzt auch, warum ich niemals Dermatologe werden wollte…:-)
Servus und so long
James Blue, Montana
Januar 22, 2009 um 3:31
SiSiSi
I love it !
Ich hatte ja keine Ahnung, was ich da auslösen würde, und hab’s erst jetzt gesehenen.
Sehr disturbing, liebe Cousine, aber meisterhaft erzählt. Sei von Herzen gegrüßt und danke für diesen Start in den Tag.
Januar 22, 2009 um 3:31
SiSiSi
Wie seh ich denn wieder aus —
Januar 22, 2009 um 8:50
Jörn Meyer
Danke für den Warnhinweis. Ich habe mich dennoch nicht davon abhalten lassen, den Beitrag zu lesen. Ich habe daraus gelernt, dass ich diese Warnhinweise wirklich ernst nehmen sollte. Gute Besserung für Deinen Göttergatten!
Januar 22, 2009 um 9:00
Lustiges aus der Dermatologie « Joerns Weblog
[...] Meyer Wer schon gut gegessen hat mag sich den Bericht von Frau M. aus El P. über ihren letzen Besuch in der Dermatologie durchlesen. (c) [...]
Januar 22, 2009 um 9:43
Sssikäi
*gröhl* Überaus unterhaltsam geschrieben! Mich hat es dabei auch nicht geekelt. Ich bin Schlimmeres gewöhnt – gell, Jörn?
Januar 23, 2009 um 3:01
Jörn Meyer
@Sssikäi: Ich glaube die Welt, will keine Stories darüber lesen, was passiert, wenn Du mir meine Pickel ausdrückst.
Januar 23, 2009 um 3:34
kleeblumenkranz
@ eine bayerin in rlp:also das finde ich eigentlich noch ekeliger als zysten. Er sollte das wirklich mal untersuchen lassen. Normal ist das nicht.
@Wienermaedel: Ich hoffe dein Kaffee war nicht zu stark. Ich denke ich werde in Zukunft von solchen Schilderungen Abstand nehmen.
@Kvelli: Naja, bestimmt verdienen Dermatologen ganz gut.
@Lieblingscousine: Ich hoffe du bringst mich nicht nochmal auf solche Ideen
@Joern: Warum nehmen die Leute Warnhinweise eigentlich nie ernst?
Es scheint so als wenn viele Menschen erst recht dass machen was sie nicht machen sollen sobald ein Schild aufgestellt wird. Es genauso wie mit Knöpfen. insbesondere die Roten werden gerne gedrückt…
@Sssikäi & Jörn: Lasst mal eure Pickelerlebnisse hören. Anscheinend hat euch das hier noch nicht genug schockiert. Könnt ihr es toppen?
Januar 24, 2009 um 12:41
ninifee
Lach, hust, lach ….. schonungslos ehrlich. Ich wollte ja damals den ersten Post dazu schreiben, wurde aber durch irgendwas abgelenkt. Das tut soooo gut, wenn Mal jemand ehrlich ist. Das mit der Medizin gefällt mir – ich hätte dann gerne Mai Tai oder sowas ähnliches. Hoffentlich ist alles gut verheilt?
Ach ja – beim den Stoffstreifen bin ich noch nicht sicher, wie ich das mache. Ich schwanke zwischen Zopf flechten und diesen dann zu einer Matte zu nähen oder so richtig Webstuhlmässig was zu wirken. Mal sehen. Noch muss ich Streifen sammeln (ich stöbere ja immer noch – quasi schon Frühjahrsputzmässig)
LG ninifee