Manchmal wacht man auf und der noch unverbrauchte Morgen wird auf unerklärliche Weise von einer schweren Traurigkeit überschattet. Mechanisch verrichtet man alle notwendigen Tätigkeiten, mit dem Gefühl die Tränen unterdrücken zu müssen. Es ist nicht immer einfach eine Frau zu sein. Es gibt zwei Möglichkeiten die zu solchen Gefühlsvertiefungen führen. Man könnte entweder etwas ganz Furchtbares geträumt haben an das man sich nicht mehr erinnert oder man hat schlicht und einfach HORMONSCHWANKUNGEN. Letzteres treibt seine unschönen Blüten auch im Gesicht in Form von roten Pusteln, die sich auf schneeweißer Haut ausbreiten wie ein Ölteppich am Norseestrand. Spätestens dann wird es Zeit, dass man sich als Frau mit sich selbst beschäftigt. Unglücklich outside und inside stellt man fest, dass es mit zunehmendem Alter wichtig ist die Balance zu finden zwischen der körperlichen und seelischen Pflege und den täglichen Aufgaben, die die Umwelt an einen stellt. Und woher kommt dieses ungemütliche Ungleichgewicht? Von den 10 Kilos die man seit der Geburt des letzten Kindes noch zu viel auf den Rippen hat, davon dass man sich nicht die Zeit nimmt sich selbst zu verwöhnen und natürlich von dem ganzen Balast den man in den letzten Jahren in der Seele angesammelt hat.
Männer mögen grundlose Stimmungsschwankungen nicht so leicht nachvollziehen können und auch nicht die Methoden mit welchen Frauen versuchen diese wieder los zu werden. Frauen fühlen sich prinzipiell besser wenn sie beim Friseur waren, neue schicke Klamotten einkaufen, Pflegeprodukte wie gutriechende Cremes, Lippenstift, Nagellack usw. erbeutet haben und vom Herzallerliebsten noch etwas Goldenes, Glänzendes in einer kleinen Samtkiste bekommen.
Manch eine Frau mit depressiven Verstimmungen könnte sich garantiert die Pillen sparen wenn man sie zu einem Make up Artist oder zu einem Friseur schickt und ihr danach eine Credit-Karte in die Hand drückt. Ich habe neulich dann auch mal gemerkt, dass ich mich arg gehen lasse und es mir auch deswegen gerade nicht so gut geht. Wenn die allmorgentliche familiäre Stressrunde rum ist, setze ich mich erst mal mit einem Kaffee hin und lese Blogs und Nachrichten um runter zu kommen. Ich könnte in der Zeit aber auch meine Haare machen, mich schminken oder raus aus den Schlabberklamotten. Ich passe auch in viele meiner Prunkstücke einfach nicht mehr rein. Und das ist der deprimierende Teil zumal hier schon frühlingshafte Temparaturen herrschen, die ersten Frühlingsblüher zaghaft hier und da ihre Blätter rausstrecken und mit großen Schritten der Sommer naht. Sommer heisst hier, dass man nix verstecken kann. Es ist heiss und man bedeckt sich so wenig wie möglich um dem Schweiß die Fluchtversuche zu erleichtern.
Und dann am letzten Freitag war es dann mal wieder so weit. Seit über zwei Jahren mal wieder nur ein Frauenabend mit netten Mädels. In der Woche zuvor hörte ich mich nämlich folgenden Satz sagen: „Ich muss mir mal wieder ein paar Cocktails ins Hirn kippen“ oder sowas in der Art.
Nun braucht die Verwandlung von einer fast übergewichtigen Hausfrau zu einem wunderschönen Nachtfalter etwas mehr als nur Mascara. So brauchte es fast eine Stunde, bis meine Haare fertig waren, eine weitere halbe Stunde für Make up und dann musste ich mich auch noch in eine neue Strumpfhose zwängen. Wenigstens hatte ich keine Probleme in das Kleid zu kommen. Dieses war neu und – oh wie schrecklich - zum Großteil aus Polyester. Gott sei Dank sah man ihm nicht an, dass es vom Preis her eher in der unteren Kategorie lag.
Die Mädels und ich fuhren also nach Downtown, wo wir eigentlich an die Hotelbar wollten. Der Hintereingang lag gleich neben dem Parkhaus doch wir merkten schnell, dass die Bar total überfüllt war. Es spielte nicht nur eine Live Band sondern auch die College Footballspieler zogen wohl etliche Fans an. Wir verließen das Hotel durch den Vordereingang, wo uns der Portier nicht nur die Tür aufhielt sondern vier hübsche Damen mit ausländischem Akzent nicht alleine durch die Nacht laufen lassen wollte. Wir vermuteten er dachte wir seien Hotelgäste als er das Hotelschuttle kommen lies und uns ein netter Fahrer zum nächsten Club brachte.
Dieser befand sich ebenfalls downtown in einem alten Industriegebiet. Bar neben Bar und dazwischen Clubs. Wir drägten uns in eine überfüllte Bar und erst da merkte ich, dass ich nicht wusste was man heutzutage so trinkt. Ich überliess die Wahl der Bardame in goldenen Leggins und bekam ein schickes langstieliges Glas mit einer klaren Flüssigkeit und einer Cocktailkirsche auf dem Boden. Ich sah wohl so aus als würde ich Martini mit Blaubeergeschmack mögen. Die Bargäste waren zu 98% Hispanics mit schwarzem edlem Haar aber sonst hätte man auch gut in Hamburg oder in sonsteiner Großstadt sein können. Solche Bars gibt es wohl überall, Backsteinwände von denen der Putz abblättert, Lichtinstallation, es spiele Jamiroquai.
Wir verließen die Bar und während die Ghetto-Hip-Hop Generation sich lauthals aus den SUVs lehnte stöckelten wir umher auf der Suche nach einer anderen mysteriösen Bar, die wir nie finden sollten.
Es ging also zurück ins Hotel, wo sich die Bar etwas geleert hatte. Wir bekammen einen Tisch, Knabberzeugs und ich einen herrlichen Margarita und fühlte mich danach merklich entspannt wie man hier sehen kann:

So entspannt, dass ich danach nur noch Cola trank. Wir Mädels hatten wirklich einen lustigen Abend und das mondäne Hotel mit seinen dicken Teppichen, gepolsterten Stühlen und der Tiffany Glaskuppel bot das richtige Ambiente dafür. Wir beschloßen das öfter mal zu machen.
Mir geht es seit dem Abend merklich besser und die zusätzliche Energie brauche ich auch um die Mega Geburtstagsparty fürs Baby vorzubereiten. Am Samstag steppt hier nämlich der Bär. Das wird bestimmt lustig.
Und was lernen wir von dieser Geschichte? 1. Das man manchmal den inneren Freak rauslassen muss, 2. man so aussieht wie man sich fühlt bzw. sich fühlt wie man aussieht und 3. dass man sich das Taxi sparen kann wenn man ein Hotel durch die Hintertür betritt.
Ich wünsche euch noch eine schöne Woche.

4 comments
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Februar 3, 2009 um 1:23
Sandra
Kann ich alles gut nachvollziehen, bei mir wars auch letztes WE mal wieder so weit…das erst Mal aus seit Silvester…wenn auch nicht Cocktails im Kleid sondern eher Rockbands und Bier…ab und an muss das einfach sein.
Toll is natürlich die Sache mit dem Hotel shuttle!
Februar 4, 2009 um 5:13
Kvelli
Na ja, vielleicht ist es nicht immer leicht, eine Frau zu sein. Dennoch ist es schön, wenn Frauen auch Frauen sind, schön anzuschauen sind sie allemal!
Sei lieb gegrüßt und Jouir la vie
Kvelli
Februar 4, 2009 um 4:01
eine bayerin in rlp
erstmal? ich bin gruen und man sieht mich nur von hinten???! zweitens: siehst du sehr huebsch und irgendwie angesoffen aus. haha. ich trinke hier gerade einen einfallslosen baileys on the rocks, lecker ists trotzdem. ihr fehlt mir! Iris
Februar 4, 2009 um 4:09
ninifee
Hey – du hattest echt Spass – sieht man eindeutig. Total jung siehst du ausserdem aus – so knapp über zwanzig würde ich sagen:) Ganz ehrlich.
Und das mit dem Shopping und Friseur und so – stimmt eindeutig. Hab mir gerade wieder was schönes beim Klamotten-Schweden gegönnt. Sommerlich leicht und luftig und sehr lang – quasi Problemzonen abdeckend. Aber ich habe mir jetzt auch einen Tag ausgesucht, an dem ich mich wenigstens einen Abend lang „pflegen“ kann. Mal sehen, wie lange ich das aushalte.
LG ninifee