…braucht der Mensch um frei zu sein. Auf der Suche nach meiner wahren Profession irrte ich bisher umher wie eine Ameise, die man in einem fremden Wald ausgesetzt hat. Mir ist durchaus bewusst, dass ich irgendwas machen muss um irgendwann mal hier in den USA ein erfülltes berufliches Leben führen zu können. Für mich steht es jetzt schon fest, dass wir auf lange Sicht nicht in Deutschland bleiben können. Aus diesem Grund hab ich mich in den letzten Wochen und Monaten mal hier und mal da für diverse Scholarships oder spezialisierte Programme für die Armeeehefrau beworben.
Am Anfang der Woche dann rief einer an und fragte mich was ich denn eigentlich machen möchte. Da ich nicht unbedingt mehr in die Richtung Wirtschaft wollte, sonst eher unschlüssig bin was meine berufliche Zukunft angeht, bisher immer zwischen verschiedenen Berufen hin und her hüpfte und breitgefächerte Interessen habe empfahl er mir irgendwann die sogenannten Liberal arts. Darin beschäftigt man sich mit Themen aus ganz verschiedenen Gebieten wie etwa Literatur, Sprach-, Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Eine Uni war auch schnell gefunden und ich erhielt eine wirklich hübsche Broschüre im PDF Format.
Alles was mir beim Lesen dieser Broschüre durch den Kopf ging war nur: „That’s it!“
Ein Studium dass sich sowohl mit Themen wie der Holocaust und die Musik beschäftigt, den  Ideologien der Ureinwohner Americas, Botanik ohne Grenzen, dem amerikanischen Traum in Kunst und Film und der Supermacht China um hier mal nur einige Themen zu nennen reisst mich total vom Hocker.
Ich hatte zwischendurch ernsthaft in Erwägung gezogen, zu studieren wenn ich in Deutschland bin, da es natürlich wesentlich kostengünster ist. Allerdings wird es schwierig in Deutschland ein Studium mit drei Kindern durchzuziehen. Alleine schon die Anfahrt zu irgendeinem Campus. Das schöne am Studieren in den USA ist, dass man das komplett nebenher und komplett online machen kann. Ich kenne noch die Online Kurse, die mein Mann immer gemacht hat, als er letztes Jahr einige Kurse bei einem College belegt hatte. Diese sind in der Regel gut strukturiert, hübsch aufgebaut und technisch unkompliziert. Nette, interessante Bücher zu den Themen bringt der UPS Mann. Die einzige Möglichkeit, die man eben vergleichsweise in Deutschland hat wäre die Fernuni Hagen. Leider hatten die nicht wirklich was für mich dabei und ich hätte dennoch sonstwohin zur Prüfung fahren müssen. Alles in allem keine befriedigende Lösung. So kann ich eben nachts zuhause sitzen, Kind an der Brust und ein Buch über Biologie und Lebensmittel in der Hand und in Ruhe vor mich hin studieren.
Ein Privileg, dass man als studierende Militärfrau bekommt, ist Hilfe in Sachen Kinderbetreuung. Ich denke mit der Kombination Rund-um-die-uhr-online-Uni, Kinderbetreuung und meinem persönlichen Enthusiasmus werde ich es irgendwie hinbekommen meinen Bachelor zu machen.
Bis ich mit dem Studium beginnen kann ist es allerdings noch ein weiter Weg. Eine Beurteilung meiner Ausbildungen muss gemacht werden, dass heisst 160 $ für die Firma die dazu berechtigt sind, endlose Kommunikation mit meinen alten Schulen und Ausbildungsstätten, Übersetzungen aller Zeugnisse anfertigen lassen, hoffen, dass die Credits genug sein werden so dass ich zugelassen werde, Toefl-Test und oh boy, die Finanzierung. Für den Spaß könnte ich mir auch einen hübschen BMW in die Einfahrt stellen. Ohne dass ich es verlangt hätte, meinte mein Mann, dass er mir mein Studium bezahlen möchte. Als GI hat er zugriff auf einen großen großen Geldtopf fürs Studieren, den er mir theoretisch überschreiben kann. Das würde mir die Antragstellung bei staatlichen Stellen hier in den USA für Studienkredite ersparen. Trotzdem muss man jetzt rausfinden wie das alles genau funktioniert.
Es wird nicht leicht werden aber ich bin so dankbar das ich was für mich gefunden habe. Happy!