Der Tag X kam. Unter dem Druck eines anrückenden Wintersturms packten wir beide Autos voll und ließen die Stadt zurück, die wir in den letzten drei Jahren unser Zuhause nannten. Es gab nichts mehr, was uns noch halten konnte. Es war wie eine Flucht und mir wurde bewusst wie lange und sehnsüchtig mein Mann auf diesen Tag gewartet haben muss. Es war als fiel eine große Last von ihm. Wir verzichteten auf die Verbindung zwischen den Fahrzeugen und so war ich allein mit meinen Gedanken als wir die Lichter der Stadt und die untergehende Sonne hinter uns ließen. Der Interstate 10 verläuft von Florida bis runter nach Kalifonien und das Stück welches durch Texas verläuft ist unendlich lang und eintönig. Leaving El Paso war wie aufwachen aus einem Traum. Einige Menschen werde ich zukünftig schmerzlich vermissen, die staubige Stadt, welche weder Amerikanisch noch Mexikanisch ist, nicht. Nicht die endlose Sommerhitze und die eisigen Winterwinde, Skorpione, alle Arten von Spinnen und den Gesang der Crickets. Die Fahrt an sich war unspektakulär. Ab und zu sah ich Wild neben und vor mir, riesiges Wild und leuchtenden Augen. Everything is bigger in Texas, yawn! Mein Kopf fing irgendwann an zu pochen. Sechs Stunden ist so ziemlich das Maximum was ich an einem Tag fahren kann. Die Schmerztabletten waren irgendwo, ganz unten. Ich hab vor kurzem gelesen, dass das Schmerzempfinden mit der Haarfarbe zusammen hängt. Rothaarige haben demnach das stärkste Schmerzempfinden und bei allen anderen Haarfarben danach ist das dementsprechend abgestuft. Ich bin blond. Ist das eine Entschuldigung dafür, dass ich das amerikanische Schmerzmanagement mag? Ich lass mir immer alles geben was man mir anbietet.
Wir machten einen nächtlichen Zwischenstop in Ozona. Auf unserer letzten Reise auf der I10 fing uns Ozona ab indem es uns die Reifen zerstach. Ich kannte daher Ozona immer nur im Dunkeln. Historische Gebäude in der innenstadt und relativ viel Grün versprachen jedoch ein hübsches Städtchen bei Tageslicht. Am Morgen ging ich auf Ozona Expedition. Komische große Vögel überquerten in der Ferne die Straße. Marshall und ich liefen den Vögeln entgegen. Ich identifizierte sie als Truthhähne. Meine Mama hatte mich als kleines Kind vor Truthhähnen gewarnt. Sie seien aggressive und gemeine Vögel, meinte meine Mama. Ich überlegte ob die ca. 50 Truthhähne vielleicht irgendwo ausgebrochen seien. Mutig wie ich bin lief ich direkt auf die Vögel zu. Sie liefen weg, wahrscheinlich wegen dem Hund. Die Truthhähne- und hennen waren überall, auch auf den gepflegten Rasenflächen im angrenzenden Wohngebiet. Ich glaube nicht, dass sie eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellten. Ein Truck fuhr vorbei und der Mann mit Cowboy Hut winkte freundlich. Er schien aus dem Ort zu sein und war überhaupt nicht verwundert über die großen Vögel. Ich ging daher davon aus, dass das eine örtliche Normalität darstellte. Ich kam in das Wohngebiet und fühlte mich wie Edward Bloom in dem Film Big Fish als er durch den beängstigenden Waldweg nach Spectre kam, wo jeder glücklich und barfuß unter Lampions tanzte. Ich kam mir vor wie auf einem Film Set. Die breite Stasse war gesäumt von Pecannußbäumen, rechts und links historische Gebäude mit Veranda und breiten gepfegten Rasenflächen. Unter mit knackten die Pecan-Nüsse und ich sah Häuser in die ich nur allzugerne eingezogen wäre. Es war zu perfect. Ich sah mich schon an sonnigen sonntäglichen Morgen auf meiner Veranda im Schaukelstuhl sitzen, mit hochgesteckten Haaren und einer Tasse Tee und den vorbei fahrenden Cowboys winkend. Dieses Amerika hatte nix mit dem zu tun was ich in El Paso kennengelernt hatte. Ich begriff, dass El Paso seine eigene Kultur entwickelt hatte. Ozona hingegen verfügte über jene pittoresquen kleinen Kirchen und Häuser, die man aus Filmen kennt. Ich war hin und weg.
Ich was not ready, though. Nach einem Frühstück bei Dairy Queen mit deep fried jalapenos ging es weiter Richtung San Antonio. Wir erholten uns bei Freundin Georgina von der langen Fahrt. Wie versprochen gab es Lobster und Shrimps, etwas das ich jeden Tag essen könnte. Der Aufenthalt war unspektakulär aber nett. Fortsetzung folgt….