Manche Tage sind sogenannte Doof-Tage. An Doof-Tagen ist man Klein-Doofi, der sich doof vorkommt und sich fragt was er/ sie wohl mal macht wenn er/sie mal nicht mehr so huebsch ist. Klein-Doofi ist also heute schon den dritten Tag krank auf die Arbeit gegangen und morgen wird es ein viertes Mal sein und die Angst vor einer Herzmuskelentzuendung waechst mit jeder Stunde. Die Naehlehrerin hat Klein-Doofies Naehprojekt wieder aufgetraent, zum dritten Mal, weil irgendwelche Naehte nicht so sein wollen wie sie sein sollen und Doofkopf wuerde das Teil am liebsten in die Ecke schmeissen und drauf herum trampeln. Ich wuenschte manchmal ich waere klueger, erwachsener und weniger impulsiv. Zumindest auf der Rueckfahrt nach der Naehstunde dachte ich mir: “Mensch, Klein-Doofi, du magst ja doof sein aber sowas auszuhalten schafft auch nicht jeder”. Ach……du doofer, doofer Tag, gehe vorbei und lass es bitte Morgen sein.
Kategorie: Leben
Wie ihr alle wisst bin ich seit fast einem Jahr eine College Studentin. Im Moment besuche ich zwei Klassen: Cultural Diversity und Environmental Science. Beide Klassen sind ausserordentlich interessant. Die Cultural Diversity befasst sich ausschliesslich mit der kulturellen und ethnischen Vielfalt Amerikas und das ist ein Thema was mich an Amerika schon immer sehr fasziniert hat. Passend dazu lass ich einen Artikel in der Stars and Stripes vom 3 August 2010, den ich sehr interessant fand:
Police say 4 men were threatening partygoers
MN Moorhead – Four
North Dakota men have been arrested after allegedly
crashing a party at a moorhead
home and threatening people with
guns.
Moorhead police said Abdirahman Abdi, 26,
Abdi Abdi, 21, and Semereab Tesfaye, 22, all
of Fargo N.D., and Jimmy Samson, 22, of West
Fargo N.D., were arrested on suspicion of second-
degree assault and other charges.
Police said the men were asked
several times to leave the private party
and eventually went to their car to retrieve
their guns. Police said they pointed weapons
at people and struck one person in the
head with the stock of a shotgun.
Man fragt sich jetzt natürlich als erstes warum diese Nachricht das Personal des US-Militaers in Europa interessieren sollte. Gibt es sonst niemals Parties in Moorhead? Ist die Action der Partycrashers der erste Kriminalfall in der Geschichte der Stadt? Und vor allem: Was macht ein gewisser Jimmy Samson mit Immigrantenkindern wie Abdi Abdi, seinem Bruder Abdirahman und seinem Cousin Tesfaye? Halt! Stop! Nein, so darf man nicht denken. In einer vorurteilsfreien Gesellschaft darf man nicht davon ausgehen, dass Immigrantenkinder grundsaetzlich Waffen im Auto haben und brave weisse Jungs aus einem anderen Stadtteil dazu verfuehren mit Waffengewalt auf einer Party einzufallen. Ausserdem wer sagt denn, dass Jimmy Samson weiss ist und dafuer aus einem guten amerikanisch-christlichen Elternhaus kommt? Semereab Tesfaye koennte genauso gut Jurastudent sein und war eine Stunde vorher von seiner Freundin verlassen worden was ihn ausserordentlich agressiv machte. Sonst ist er naemlich gar nicht so, schreibt nur Bestnoten und arbeitet nebenbei freiwillig in einer sozialen Einrichtung fuer Weisenkinder. Fakt ist, wir wissen ueberhaupt nichts ueber diese Leute. Die Namen jedoch verfuehren uns dazu Vorurteile zu machen und jene Leute in Schubladen zu stecken. Sowas passiert jeden Tag Millionen von Menschen in Amerika aber auch in Deutschland und der erste Weg das zu aendern liegt darin sich darueber bewusst zu werden.
Vor einiger Zeit habe ich im Reality TV einen Beitrag gesehen, der mich sehr fasziniert hat. Man fand die Leiche einer Frau, die offenbar in einer Hoehle im Wald gelebt hatte und versuchte auch noch Jahrzehnte spaeter ihre Identitaet festzustellen. Schliesslich gab es Hinweise auf eine vermisste Person und man konnte die Schwester ausfindig machen, die anhand der beiliegenden Gegenstaende die Tote als ihre Schwester identifizieren konnte. Diese erzaehlte dann von der grossen Liebe ihrer Schwester und wie jener Mann sich eines Tages entschloss zu Frau und Kindern zurueck zu kehren. Er war ein militaerischer Pilot und nur vorruebergehend dort stationiert. Daraufhin verschwand jene Frau spurlos. Wie sich dann herausstellte hatte sie noch eineinhalb Jahren in ihrer Waldhoehle gelebt bevor sie schliesslich an einer natuerlichen Ursache starb. Ein junger Sheriff, das ganze spielte in Australien glaube ich, konnte jahrelang nicht von dem Fall ablassen, derart fasziniert war er von der Frau und ihrer Geschichte. Er schwor sich selber ihre Identitaet zu klaeren und dem Mysterium auf die Spur zu kommen. Der Ausblick vor dem Ausgang der Hoehle war atemberaubend und der Sheriff empfand es als beruhigend, dass dieser Ausblick das Letzte war was jene Frau gesehen hat bevor sie einsam verstarb.
Was mich daran so faszinierte war ihre Bereitschaft der Zivilisation den Ruecken zu kehren und lieber einsam in einer Hoehle zu leben, in ruhiger Umarmung des Waldes, als weiter leidend durch die Menge zu laufen. Wie sehr muss sie gelitten haben als er ging? Ich kann ihren Wunsch nachvollziehen. Manchmal fuehle auch ich mich als wenn ich ein paar Tage einsam vor mich hinleidend in einer Hoehle zubringen moechte. Der Wald ist so beruhigend und das Rauschen der Baumkronen wie Salbeitee fuer die Seele. Einsam in der Natur zu leben kommt mir manchmal vor wie ein unerreichbarer Luxus. Es scheint der ultimative Ausbruch vom Leiden des Dahseins zu sein. Kein menschliches Elend, das man sich ansehen muss, keine zerbrochenen Herzen oder andere Hoffnunglosigkeiten. Was bleibt ist man selber und der Wald. Manchmal ist es schwer Loesungen zu finden fuer die komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen. Insbesondere dann wenn man sich festgefahren hat oder gar nicht mehr miteinander redet. Niemand hat einen darauf vorbereitet auf das was das Erwachsenenleben an Leid und Schmerz mit sich bringt, an Versagungsaengsten, an tragischen Verlusten und den staendigen Selbstzweifeln, denen man insbesondere als Frau unterliegt. Wie verlockend hoert sich die Reinheit des Waldes da an, wie friedlich und frei man da wohl sein kann?
