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So, und nun werde ich offiziell ab diesem Monat wieder Student sein. Es war ein langer Weg für mich aber nun ist der Weg frei und ich kann mich neben der Familie, einem Umzug auf einen anderen Kontinent inklusive Reverse Schock auch noch mit meiner eigenen Bildung befassen. Zwischenzeitlich habe ich noch die Universität gewechselt und auch den Studiengang weil das andere sich mehr oder weniger als Irrfahrt ins Nirgendwo entpuppte. Ich habe nun etwas gewählt, was in meinen bisherigen beruflichen Werdegang so einigermaßen reinpasst, was ich auch weiterhin gerne tun würde und was ich brauche um meine langfristigen Selbstbestimmungspläne umzusetzen.
Ich werde eines Tages hoffentlich aus dem Studium mit einem Bachelor of Arts in Communication raus gehen. Am 28. September geht es los. Alle meine Papiere sind eingereicht, die Finanzierung des ersten Jahres sicher gestellt durch ein Förderprogramm für Militärehefrauen und am Montag bezahle ich meine Bücher.
Jetzt fragt sich bestimmt der ein oder andere warum ich mir für das viele Geld was mich der Spaß kosten wird nicht lieber einen schicken Lexus in die Einfahrt stelle und gratis in Deutschland studiere wo wir doch sowieso zurück gehen werden. Und hier fängt nämlich schon das Problem an. Erstens bin ich eine Mutter die vor hat sich wieder ins Berufsleben zu stürzen und das sobald wie möglich. Geht sowas in Deutschland überhaupt? Die Unis und Fachhochschulen sind doch bestimmt eher für jüngere Leute ohne Beruf und Anhang ausgelegt. Zweitens werde ich irgendwann sowiesowieder in den USA leben und daher macht es auch Sinn einen amerikanischen Abschluss zu haben, insbesondere da die Amerikaner nicht wirklich viel mit unserem dualen System der Berufsausbildung oder gar einem der neuen Bachelor Abschlüsse anfangen können und drittens weil ich mir selbst beweisen muss, dass ich in der Lage bin ein Studium in meiner Zweitsprache durchzuziehen.
Ich habe mich vor einer Weile mit dem Thema Fernstudium in Deutschland beschäftigt und siehe da, ich mit meiner Fachhochschulreife habe nur begrenzte Möglichkeiten. Ich kann nicht studieren was ich eigentlich möchte und da ich damals noch dachte ich würde wieder eine stillende Mutter werden, die immer das Kind an der Brust hat und somit nicht zu Klausuren erscheinen kann, kam das schonmal gar nicht in Frage. Man macht doch ein Fernstudium damit man zeitlich und räumlich unabhängig ist. Warum soll ich dann irgendwo hin um irgendwas zu schreiben? Was soll das denn?
Ich finde es sehr enttäuschend, dass sämtliche deutsche Weiterbildungsangebote nicht in mein Lebenskonzept zu passen scheinen. Dabei wäre doch gerade das ein riesiger Fortschritt in der deutschen Gesellschaft. Ich finde man darf ruhig aus dem Traditionellen ausbrechen und wenn man will auch noch mit fast 29 anfangen was vollkommen anderes zu machen. Warum ist das in Deutschland so schwer? Da regen sie sich auf wenn Frauen gar keine oder erst sehr spät Kinder bekommen aber es einem leichter zu machen Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen darauf kommt keiner und wenn dann sind das eher Tropfen auf dem heißen Stein. Mir krampft sich jetzt noch der Magen zusammen wenn ich daran denke wie schwer die ersten Jahre waren nachdem ich mich dazu entschlossen hatte meinen Sohn zu behalten. Ein Studium wäre damals schon mal gar nicht drin gewesen.
Und dann verfolge ich gerade die Diskussion um die neuen deutschen Bachelor Abschlüsse, von denen einige behaupten, dass diese im Grunde keine wirklichen akademischen Abschlüsse sind. Nicht auszudenken was ich da für Probleme bekommen würde wenn ich diese hier übersetzen und anerkennen ließe.  Bereits jetzt habe ich damit Probleme da ich nur Berufsausbildungen habe. Eine sehr bekannte Bewertungsorganistation hier in den USA hat mir dafür zwei College Abschlüsse gut geschrieben und die Uni gar nix trotz meiner hohen Punktzahl im TOEFL Test und Unmengen von Credit-Hours aus meinen vorherigen Berufsausbildungen, weswegen ich nun ganz von vorne anfagen muss. Macht ja doch jeder was er will. Offiziell habe ich hier zumindest einen regulären High School Abschluss und kann somit machen was ich will. Und dann ist da noch die Kontroverse: Online Degree versus regulärer Campus Besuch, eine Diskussion die es so in Deutschland vielleicht erst in zehn Jahren oder so geben wird. Ich bin da der Zeit ein wenig vorraus.
Mein zukünftiges College gehört nämlich zur größten privaten amerikanischen Uni die Studiengänge komplett online anbietet. Ausgerichtet sind die Programme für Leute mit Beruf und oder Familie die eben unflexibel sind. Meine Freundin B., 33 Jahre,  hat bei eben jener Uni gerade ihren Bachelor in Business Administration gemacht und fängt nächste Woche mit ihrem Masters an. Freundin B. hat drei Kinder, hatte bis vor kurzem noch einen Vollzeit Job und einen Mann der gerade im Irak rumschwirrt. Typische amerikanische Familie halt, always busy. Sie kommt mit wenig Schlaf aus, muss sie auch denn sonst hätte sie das alles gar nicht machen können. Ich weiss noch wie beschäftigt sie immer mit irgendwelchen Bücher oder Assignments war, die sie für die Uni lesen bzw. fertig machen musste.
Das schöne an diesen Studienangeboten ist, dass man wirklich am Ende der Welt, ganz alleine und nackt auf einer einsamen Insel, unter einer Palme, sitzen könnte, mit seinem Laptop auf dem Schoß, einem Wireless Internet Zugang um ein Psychologie Studium zu absolvieren.
Auf der anderen Seite behaupten manche Leute so ein Abschluß wäre weniger wert weil natürlich das ganze Akademische Umfelt anders aussieht. Es gibt zwar sehr wohl virtuelle Klassenzimmer, Interactions mit anderen Studenten und Online Resources, nur halt keine Universitäts-Bibliothek und keinen verwirrten Professor und schon gar keine Komilitonen, die da rechtsradikale Äußerungen von sich geben, so wie z.B. in Deutschland. Auf die coolen Studenten Parties muss ich leider auch verzichten. Alles was neu ist macht auch Angst und wie kann man das eine System mit dem andern vergleichen wenn Zielgruppen und Ausführung so komplett unterschiedlich sind. Es ist eine Diskussion wie die zwischen E-Book und gedrucktem Buch, nur halt anders.
Klar gehe ich jetzt auch ein bißchen auf Risiko. Was ist wenn mein Abschluss  später das Papier nicht wert es auf dem er gedruckt steht?
Dann wiederum denke ich mir, dass ich sowieso in eine Computer orientierte Richtung gehe und es daher eher von Vorteil ist so viel Zeit wie möglich daran zu verbringen. Bedeutet so ein Online Studium nicht auch, dass man Mut hat, unabhängig ist und was Neues wagt?
Immerhin ist die Uni von vielen akademischen Stellen anerkannt, greift auf Regierungsbeihilfen zurück, wird gefördert und viele Arbeitgeber, auch Top Fortune Companies bezahlen ihren Mitarbeitern Kurse, die sie an jener Uni nehmen.
Und dann wiederum hab ich sonst nur begrenzt Möglichkeiten zu studieren, mit bleibt nix anderes übrig. Denn wie man es auch macht, irgendwem passt es immer nicht. So kann ich mich wenigstens noch voll und ganz auf die Familie konzentrieren, auf das Leben als Army Wife mit all den Vor- und Nachteilen und auf einen Beruf, den ich hoffentlich ausüben werde.
Wish me luck!

Viele Mütter sind wahrscheinlich froh, dass irgendeiner mal auf die Idee kam eine Ferienbibelwoche einzuführen. In der Sommerhitze gibt es sonst nicht viel womit man die Kids drei Monate lang dauerhaft beschäftigen könnte ohne dabei arm zu werden oder den halben Tag im Auto zu verbringen. So fand auch ich vor einigen Tagen jenen Flyer an meiner Tür, der da Beschäftigung für’s große und kleine Kind und Ablenkung für mich verhieß. Also wurden die Kinder dort angemeldet und mit zuckersüßer, heiliger Stimme fragte man mich ob ich nicht als Helfer mitmachen möchte. ich wählte einen Job an dem ich am wenigsten mit den Kindern zusammen sein muss. Nicht weil ich Kinder nicht mag sondern eher weil ich mir manchmal etwas unbeholfen im Umgang mit ihnen vorkomme, zumindest was fremde Kinder angeht.
Und so verteile ich weiße Plastiklöffel, Ketschup- und Mayobeutel, Servietten und Stohhalme an ca. 500+ Kids, öffne Fruchtschälchen und Milchpäckchen, hebe Karotten vom Boden auf und verhindere das unerwünschte Verkleben des Fußbodens. Dabei denke ich an ein übergroßes Werbeschild an dem ich hin und wieder vorbei fahre. „God’s Stimulus Package. (hier einsehbar bei einem Flickr-Nutzer, der das ebenfalls nicht ganz versteht). Darauf zu sehen sind vier Babies, die in einer Kiste sitzen. Ich versuche die ganze Zeit eine Verbindung zwischen Babies und Stimulus Package herzustellen….“Kids are a blessing“, sagt die Mexikanerin neben mir. Da fällt mein Blick gerade auf einen wilden Jungen, der sein Milchpaket zum auslaufen brachte und sich darüber freute wie sich die Servietten voll saugten. Ich habe ein besonderes Verhältnis zu Mexikanerinnen. Ich mag sie, finde sie sehr warmherzig und kann sehr gut mit ihnen. Jeder hat wahrscheinlich seine ganz eigenen Gründe warum er sich freiwillig zur Kinderverköstigung gemeldet hat. Ich glaube meine Mexikanerin ist einfach nur dankbar dafür dass sie einen Sohn bekam. Man hatte ihr gesagt, dass es medizinisch bei ihr fast unmöglich war schwanger zu werden. Ein kleines Wunder geschah in ihrem Leben, welches sie in ihrem Glauben bestärkte. Ich solle dankbar sein, sagte sie mir, dafür dass ich zwei gesunde Kinder hätte und ich sei ja noch jung. Sie fand es bemerkenswert, dass ich nach vier  Wochen so durch die Gegend renne und das freiwillig. Mein Körper hat sich soweit erholt…..
Mental bereite ich mich bereits jetzt schon auf meinen postpartum visit am Ende des Monats vor. „Dr. Sowieso ist einer der besten Ärtzte die wir hier haben. Der ist immer so mitfühlend mit den Frauen…!“ Ich erinnerte mich an die Worte der Krankenschwester. Dr. Sowieso hatte eine blaue Atemmaske auf, schwarzes Brillengestehl, spicy irgendwie und noch jung, dann schlief ich ein. Dann als es passierte sagte er nichts. Nun muss ich mich darauf gefasst machen nochmal alles durchzuspielen und er wird mit mir über meine Optionen reden wollen. Ich kann nicht darüber nachdenken nochmal schwanger zu werden.  Dr. Sowieso macht normalerweise keine postpartum visits. Aber irgendwo fand er noch einen Platz für mich. Dankbar dafür, so muss ich nix erklären.
Draußen wird es immer heißer. Die Managerin der Küche und des Essensraums macht das schon seit Jahren, so wie bereits ihre Großmutter. Alles ist bis auf die Minute durchgeplant. Jede Gruppe hat genaue Angaben wann man zu erscheinen und wann man die Plätze zu räumen hat. Anders geht es nicht bei der großen Anzahl von Kindern. Ich sehe ein bekanntes Gesicht, welches hoch über die kleinen Köpfe hinaus ragt. Mein Herz macht einen Sprung. Mit dicken wallenden Haaren, den dunklen Augen und in einem hübschen Kleid steht meine Freundin mir ihrer Gruppe an der Essenausgabe. Sie hat überall Goldglitter auf ihrer dunklen Haut. Die Kinder und sie bastelten merkwürdige Stäbe mit Gold- und Diamantenspitze, den Namen hab ich vergessen. Die Klimaanlage wehte den Goldstaub herum, der schließlich auf ihr und allen anderen Anwesenden landete. Irgendwann wurde aus ihr mehr als nur eine Nachbarin, sie wurde eine Freundin. An den genauen Moment kann ich mich nicht erinnern, ist eigentlich auch egal. Ich mag sie jedenfalls sehr. Der Goldstaub wird wohl noch tagelang an ihr haften.
Mein Sohn ist in der letzten Gruppe, die zum Essen kommt. „Mami, ich bin so froh dass ich dich hier immer sehe“, sagt er. Er ist total begeistert von der Bibelwoche und seinen Lehrerinnen. Ich sehe ein kleines Mädchen neben ihm, das mit ihm zusammen in der gleichen Schulklasse war. Ich erinnere mich gut an sie. Sie und meine Tochter klickten irgendwie als wir zum Eltern-Kind Walk kamen. Mein Sohn nennt sie kleine Prinzessin, ich finde das sehr treffend. Dann ist es irgendwann ein Uhr und somit Zeit zu gehen. Meine Tochter wartet schon sehnsüchtig in der Kleinkindbetreuung. „See you tomorrow“, ruft man mir hinterher…..

Circa einmal im Jahr darf man sich als reguläre lower class Militärehefrau wie eine elegante Dame fühlen, nämlich dann wenn sich das Militär selber feiert und zum Ball einlädt. Schon Wochen vorher gibt es unter den Frauen des Battalions kein anderes Gesprächsthema. Kleider wollen gekauft, Babybäuche verhüllt, Nägel lackiert und Schuhe gefunden werden. Man bespricht sich öffentlich via Facebook und jedes Mal wenn eine wieder erfolgreich war gratuliert die Facebook und Militär community.

Natürlich erwähnte ich nicht öffentlich, dass ich mein Kleid zum Schnäppchenpreis in einem Resteladen gekauft hatte. Ich dachte auch nicht mehr daran und staarte tagtäglich auf das wunderschöne Kleid, dass da auf einem Bügel an der Gardinenstange hing. Meine eleganten Schuhe und meine Handtasche lagen sicher zwischen feinem knisternden Papier in einer Pappschachtel.

Am Abend vor dem Ball folgten Freundin N. und ich unserem Beschluß uns die Nägel verschönern zu lassen. Ich betrat Neuland. Noch nie hatte ich mir professionel die Nägel machen lassen und ich wusste nicht wirklich was ich erwarten sollte. Der Dyer, eine der größeren und ollen Geschäftsstraßen nahe der Militärpost scheint fest in asiatischer Hand. Sara, die Koreanerin stattet meinen Mann mit Klamotten aus, während sie mich mit Reiskuchen und Kinder mit Süssigkeiten füttert, Kee hat die besten Sushi-Rollen und wunderbares Teriyaki Hühnchen und kneift meiner halbasiatischen Tochter gerne in die dicken Backen. So war es wenig verwunderlich, dass auch Hollywoodnägel und asiatischen Einwanderern geführt wird.

Ich wollte eigentlich nur eine nette French Manicure auf Gel. Der Mann an dessem Tisch ich Platz nahm, sprach mit starkem Akzent hinter einer Schutzmaske. Ich verstand trotz meiner 109 von 120 möglichen Punkte im TOEFL Test die mir fremden Vokabeln nicht. Ich bekam Gel-Nägel, aber die Lackierung war falsch. Ich machte den Mund auf als er schon fertig war und er war leicht erbost. Ich bekam eine neue Lackierung und beschloß nie wieder in den Laden zu gehen. Das Endergebnis war dennoch okay, nur schmerzten mir die Fingernägel in der darauf folgenden Nacht aufgrund des Gels, dass musste sich wohl erst noch ausdehnen.

Gegen vier des darauffolgenden Tages lieferten wir die Kinder bei unserer Nachbarin B. ab. Mein Sohn hatte schon mehrfach im Hause B. übernachtet aber für das Baby war es das erste mal, dass sie eine Nacht ohne Mama und Papa verbrachte. Ich war natürlich nervös ob alles gut gehen würde. Am liebsten hätte ich eine Gebrauchsanweisung mit dazu gepackt. Auch wenn B. drei Kinder großgezogen hat denkt man doch als Mutter immer, dass das eigene Kind ganz besonders behandelt werden muss. Mein Kind zum Beispiel muss Ohren anfassen zum Einschlafen. Mein Mann versuchte mich zu beruhigen.  Ich wusste ja auch, dass sie in guten Händen war und alle Hausbewohner kannte. Sie würden schon miteinander klar kommen.

Wir checkten ins mondäne Camino Real ein. Mein Lieblingshotel, nobel, schick mit dicken Teppichen, toller Hotelbar und Spiegeln an der Wand, dennoch genug Schmuddel  damit ich mir nicht fehl am Platze vorkam.
Unser Zimmer im elften Stock war alsbald übersäht mit Klamotten und Schminkzeug. Wenig später traten Herr und Frau L. gestriegelt und geschminkt in den Aufzug und fuhren zum offiziellen Empfang. Als erstes schaut man sich als Frau natürlich erst mal um, nach bekannten Gesichtern und nach den Kleidern, die anderen Damen tragen. Manche Frauen hatten absolute Wow-Kleider, andere waren eher underdressed. Ich fühlte mich wohl in meinem Kleid und sog die Komplimente ein. Zum Empfang wurden Käse, Früchte und Brot serviert. Ich überaß mich am Käse, insbesondere der Brie hatte es mir angetan. Brie ist hier verhältnismässig teuer, daher essen wir ihn so gut wie nie. Die anderen Ladies und ich posierten für die Kameras, mein Mann und ich ließen ein Bild von einem proffesionellen Fotografen machen und dann begann der offiziellere Teil mit der Receiving Line. Mann und ich schüttelten Hände und sagten „Hi“ zu irgendwelchen höheren Militärmenschen und deren Ehefrauen. Wir nahmen danach an unserem Tisch platz. Im Faltblättchen vor mir das Abendprogramm, unterbrochen von Lebensläufen gefallener Soldaten, die in heldenhafter Weise ihr Leben gaben um das der Kameraden zu schützen. Neben mir die Mathelehrerin mit den tausenden Nahrungsmittelallergien. Für sie ist es fast unmöglich auswärts zu essen.  Vor dem Ausbruch der Allergien sei sie mal übergewichtig gewesen, vertraut sie mir an, ich kann es kaum glauben.

Neben dem üblichen Tralala wurden Reden gehalten. Der banale Glassalzstreuer vor mir avanciert zum Symbol für die vergossenen Tränen über den Tod junger Soldaten. Als nächstes wird eine Lobrede auf die Military Spouse gehalten. Er, der Gastredner berichtete von 20 Jahren Ehe und 20 Jahre Militärzeit, davon wie er seine damals 19 jährige Frau an einem fremden Ort, ohne Freunde und Familie zurücklassen musste als die Pflicht rief, davon wie sie nicht mit der Wimper zuckte als er sie später abermals mit den Babies alleine lies und viel später als er ein drittes Mal weg musste und als er sich nochmal umdrehte sah wie sie jungen Army Wives Mut zusprach.
Das hochschwangere Sweetheart am Tisch vor mir brach in Tränen aus. Die Rede war zu emotional für sie, sie die bald ihr erstes Kind haben wird und wo jetzt schon klar ist, dass ihr Mann für lange Zeit in den Krieg muss. Eine Mädchentraube begleitet sie nach draußen. Ein merkwürdiges Ereigniss unter den riesigen Kristallkronleuchtern und den hübsch geschmückten Tischen und Stühlen, kein Ort für Tränen.

Das Menü ist ein schlechter Witz. In jenem Hotel hab ich schon weitaus besser gegessen. Hätte ich nicht so Hunger gehabt hätte ich den ungekochten Reis, das harte Fleisch und die nichtvorhandenen Artischocken liegen gelassen. Zum Abschluss des öffentlichen Programmes mussten die großen und wichtigen Jungs mit einer Art Bowle anstoßen. Jede Einheit kippte also rein, was sie gerade hatte und heraus kam ein merkwürdiges alkoholisches Getränk mit einer seltsamen rosanen Farbe. Die Reste wurden unter den einzelnen Tischen aufgeteilt und gerade die jungen Soldaten kippten sich das Zeugs hinter die Ohren und kurze Zeit später war ihnen schlecht.

Später wurde getanzt. Die Männer zogen die Uniformen aus, knöpften die oberen Knöpfe an ihren Hemden auf und die Damen entledigten sich der  hochhackigen Schuhe. Das Licht wurde gedämpft und zu Salsa, Hip Hop und Rock tantzte man barfuss auf dem Parkett. Auch ich hatte meine Schuhe längst ausgezogen und lief mit nackten Füßen über die dicken Teppiche.

Wir beendeten den Abend an der Hotelbar. Eine Band spielte spanische Lieder und ich trank Cranberry Juice. Irgendwann brachte mich mein Mann ins Zimmer. Ich war müde, schwanger eben. Irgendwann in der Nacht kam er dann wieder, ich roch Alkohol und drehte mich weg.

Am nächsten Morgen war ich gegen sieben wach. Ich wollte mein Baby. Es vergeht schließlich kein Morgen ohne dass ich das dicke, süße Kind beknuddele. Ich kochte Kaffee in der kleinen Kaffeemaschine und bemühte mich vergeblich unauffällig meinen Mann zu wecken:
„Willst du Kaffee? Dein Kaffee wird kalt….! Trink doch jetzt endlich deinen Kaffee!“
Irgendwann gab mein Mann genervt seinen Schlaf auf. Ich solle es doch mal genießen, dass die Kinder nicht da sind. Ich konnte nicht. Ich wollte mein Baby und ich war mir sicher, dass mein Baby mich wollte.
Dehydriert und hungrigwie wir waren gab es Subway Sandwiches und Wasser zum Frühstück, danach ein Jogurt Eis und dann endlich holten wir die Kids wieder ab. Ich schloß mein Baby in die Arme und war stolz auf meinen Sohn. Meine Tochter hatte sich nämlich den ganzen Abend bei ihrem großen Bruder aufgehalten und der durfte nicht mal alleine aufs Klo gehen ohne dass sie anfing zu weinen. Somit hatte er wenig Spielzeit mit seinen Freunden aber trug die Verantwortung wie ein Mann und kümmerte sich um sie.  Tolles Kind! Nun hängt mein Kleid im begehbaren Kleiderschrank und wird wohl lange darauf warten müssen wieder herausgenommen zu werden. Schade eigentlich, ich würde gerne viel öfter elegante Dame spielen.