Da hab ich noch extra zu meinem Mann gesagt, dass ich hoffe sie schicken genug Maenner und er hatte geantwortet, dass ich das wohl sehr gerne haette und dann kamen drei Frauen zum Packen unserer ganzen Sachen. Mexikanerinnen mit blauem Lidschatten und blauen Shirts der Spedition. Frauen, die wie Maenner zupacken und zaeh sind wie es eben nur Frauen sein koennen. Ich hab in diesem Zusammenhang gelernt, was mir auch schon der Psychotest in meinem ersten Collegekurs bestaetigt hat. Meine organisatiorischen Faehigkeiten lassen sehr zu wuenschen uebrig und ich bin anfaellig fuer Stress. Abends gegen fuenf, war alles verpackt und ich fuehlte mich herrlich befreit. Am nachesten Morgen rollte ein Moebelwagen mit drei Mexikannern an, einer davon sehr huebsch, und man lud unseren ganzen Krams in dessen Bauch.
Meine Freundin B. war so nett mir leckeren Starbucks Kaffee und Kekse vorbei zu bringen. Maenner moegen sie. B. hat Stil und dichtes dunkles Haar. Dementsprechend war die Reaktion der Moebelpacker als sie mit dem Starbucks Kaffee, knackigen Jeans und ihrer dunklen Sonnenbrille die Strasse entlang kam.
Der Huebsche Mexikaner rannte am spaeten Nachmittag ohne Hosen in der Einfahrt herum. Das hatte aber nix mit mir und B. zu tun, sondern damit, dass er sich aus Versehen ein scharfes Messer tief ins Bein gerammt hatte. Ich hatte davon nix mit bekommen. Meinen Mann stoerte soviel Offenherzigkeit und er legte ihm nahe sich trotz seiner Verletzung Hosen anzuziehen, da Frauen und Kinder anwesend seien. Ich fand dann einen blutenden Mexikaner auf meinem Garagenboden. Er hatte sich das Hosenbein aufgerissen und mein Mann uebernahm die Erstversorgung bevor man ihn in die Notaufnahme brachte. Am Abend zogen wir zu Freundin B., die uns angeboten hatte, dass wir bei ihr wohnen koennten bis wir E.P. entgueltig verlassen. Sie schlaeft schon lange nicht mehr alleine in ihrem Schlafzimmer. Zum einen hat das damit zu tun, dass es im letzten halben Jahr viele Einbrueche hier in unserem Wohngebiet gab und zum anderen ist ihr Mann sowieso nicht da weswegen sie sich lieber in ihren Recliner kuschelt und beim Fernsehschauen einschlaeft. Ich kam mir vor wie bei einer Grossfamilie. Insgesammt rannten hier fuenf Kinder rum, zwei Fernseher liefen gleichzeitig und dazwischen piepten und blinkten sagenhafte Spielzeuge. Ich kochte auf ihren Wunsch hin Kartoffelsalat und Wuerstchen, obwohl ich keine Kartoffelsalat-Frau bin und ihre Teen-Tochter und ich brachten sie mit unseren Alien-Geschichten zum verzweifeln.
Mein Mann verdrueckte sich waehrend dieser Tage oft zu seinem Single Kumpel um Ruhe zu haben. Am letzten Samstag dann beschloss Freundin B., dass wir ein letztes Mal ordentlich Party machen sollten. Sie uns ich haben im letzten Jahr viel gemeinsam durchgestanden. So oft wie moeglich versuchte ich sie aus dem Haus zu locken, nachdem ihr Mann in den Irak geschickt wurde und sie war meine Stuetze vor Ort nachdem ich meine Tochter verlor. Es dauert lange bis aus Bekanntschaften Freundschaften werden und dann wenn es soweit ist, zieht man im Militaer weiter und laesst jedesmal einen Teil seines Herzens zurueck. Manchmal spuere ich immer noch den Stich als meine allererste amerikanische Militaerfreundin wegging. Irgendwann gewoehnt man sich daran und neben den Erinnerungen verblasst auch der Schmerz ueber den Verlust. That’s the Army. Und dann kann man sich noch damit troesten, dass man sich immer zweimal sieht im Leben. Ich kann behaupten, dass ich auf fast jeder Armybase jemanden kenne, den ich mag. Ich nahm Freundin B., daher das Versprechen ab, dass sie mich besuchen kommt, in EUROPE. Der Abzug der Truppen aus Deutschland bedeutet auch ein riesiger Einschnitt in die Deutsch-Amerikansiche Freundschaft und irgendwann wird kaum jemand mehr die Geschichten erzaehlen, ueber das sagenumwobende Land jenseits des Atlantiks.
Am Samstag fuhren wir also ins Barviertel, nahe der Universitaet, fanden drei junge Soldaten mit kraeftigen taettowierten Waden und machten ordentlich Party mit denen. Warum tun wir das als verheiratete Frauen? Wollen wir etwa unsere Maenner betruegen? NEIN, wollen wir nicht. Gegen die Komplimente, und umgarnungsversuche junger Maenner haben wir aber nix. Das sind Streicheleinheiten fuer die Seele, nach ein paar Jahren Ehe. Wir tranken also Margaritas und Corona, tanzten in blauem Licht und trieben uns in einigen Bars herum in jener milden, texanischen Winternacht. Sie mag meine “Deutschigkeit”, sagte sie. Ich mag ihren Stil, ihre freundliche offene Art, ihren Humor, ihr Wissen (die Frau ist brilliant!) und ihre Freude am Leben. Dann kam der Tag an dem wir uns voneinander verabschiedeten.
Wir sind noch immer in ihrem Haus und ich sitze an ihrem Computer aber sie ist nach Hause geflogen, weit ueber das riesige Land hinweg, in noerdlichere Gefilde. Unsere Zeit hier in Texas ist fast zuende und wenn sie zurueck kommt werde ich nicht mehr da sein. Ich umarmte sie ein letztes Mal und dann fuhr mein Mann sie und ihre Kinder zum Flughafen.
Draussen scheint die texanische Sonne und ich fuehle mich seltsam melancholisch. Ich bin fertig mit El Paso und bald werde ich in Ft. Hood sitzen und warten bis mein Flugzeug zurueck nach Deutschland startet.
Kategorie: Militär
So, hier ein paar Bilder vom Babyshower. Ich wuerde sagen es war ein voller Erfolg, auch wenn nicht alle gekommen sind, die eingeladen waren. Naechstes Mal muss ich allerdings die Bilder selber machen. So richtig gefallen mir diese naemlich nicht.
Zu einem Babyshower gehoert natuerlich immer eine Ballontraube.
Passend dazu gab es Papierteller und Becher. Ja, ich weiss der Planet stirbt….
Auch auf dem Kuchen war ein Teddy.
Wir spielten lustige Spiele. Zum Beispiel machten wir Babies aus Knete und ….
bemalten Babyunterwaesche mit Stofffarben, wie hier Frau Masters of Art.
Natuerlich gab es auch viel yummi Essen.
Und weil es so Spass macht, gibt es am naechsten Samstag gleich wieder eine Party. Mein Sohn wird neun und will eine Chef-Party, Chef as in Koch. Ich hoffe keines der Kinder kommt mit seiner besten Sonntagskleidung. Sie duerfen naemlich ihre Cup Cakes selber gestalten und wir machen andere Spiele, die mit Essen zu tun haben. Ich freue mich schon.
So, und nun werde ich offiziell ab diesem Monat wieder Student sein. Es war ein langer Weg für mich aber nun ist der Weg frei und ich kann mich neben der Familie, einem Umzug auf einen anderen Kontinent inklusive Reverse Schock auch noch mit meiner eigenen Bildung befassen. Zwischenzeitlich habe ich noch die Universität gewechselt und auch den Studiengang weil das andere sich mehr oder weniger als Irrfahrt ins Nirgendwo entpuppte. Ich habe nun etwas gewählt, was in meinen bisherigen beruflichen Werdegang so einigermaßen reinpasst, was ich auch weiterhin gerne tun würde und was ich brauche um meine langfristigen Selbstbestimmungspläne umzusetzen.
Ich werde eines Tages hoffentlich aus dem Studium mit einem Bachelor of Arts in Communication raus gehen. Am 28. September geht es los. Alle meine Papiere sind eingereicht, die Finanzierung des ersten Jahres sicher gestellt durch ein Förderprogramm für Militärehefrauen und am Montag bezahle ich meine Bücher.
Jetzt fragt sich bestimmt der ein oder andere warum ich mir für das viele Geld was mich der Spaß kosten wird nicht lieber einen schicken Lexus in die Einfahrt stelle und gratis in Deutschland studiere wo wir doch sowieso zurück gehen werden. Und hier fängt nämlich schon das Problem an. Erstens bin ich eine Mutter die vor hat sich wieder ins Berufsleben zu stürzen und das sobald wie möglich. Geht sowas in Deutschland überhaupt? Die Unis und Fachhochschulen sind doch bestimmt eher für jüngere Leute ohne Beruf und Anhang ausgelegt. Zweitens werde ich irgendwann sowiesowieder in den USA leben und daher macht es auch Sinn einen amerikanischen Abschluss zu haben, insbesondere da die Amerikaner nicht wirklich viel mit unserem dualen System der Berufsausbildung oder gar einem der neuen Bachelor Abschlüsse anfangen können und drittens weil ich mir selbst beweisen muss, dass ich in der Lage bin ein Studium in meiner Zweitsprache durchzuziehen.
Ich habe mich vor einer Weile mit dem Thema Fernstudium in Deutschland beschäftigt und siehe da, ich mit meiner Fachhochschulreife habe nur begrenzte Möglichkeiten. Ich kann nicht studieren was ich eigentlich möchte und da ich damals noch dachte ich würde wieder eine stillende Mutter werden, die immer das Kind an der Brust hat und somit nicht zu Klausuren erscheinen kann, kam das schonmal gar nicht in Frage. Man macht doch ein Fernstudium damit man zeitlich und räumlich unabhängig ist. Warum soll ich dann irgendwo hin um irgendwas zu schreiben? Was soll das denn?
Ich finde es sehr enttäuschend, dass sämtliche deutsche Weiterbildungsangebote nicht in mein Lebenskonzept zu passen scheinen. Dabei wäre doch gerade das ein riesiger Fortschritt in der deutschen Gesellschaft. Ich finde man darf ruhig aus dem Traditionellen ausbrechen und wenn man will auch noch mit fast 29 anfangen was vollkommen anderes zu machen. Warum ist das in Deutschland so schwer? Da regen sie sich auf wenn Frauen gar keine oder erst sehr spät Kinder bekommen aber es einem leichter zu machen Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen darauf kommt keiner und wenn dann sind das eher Tropfen auf dem heißen Stein. Mir krampft sich jetzt noch der Magen zusammen wenn ich daran denke wie schwer die ersten Jahre waren nachdem ich mich dazu entschlossen hatte meinen Sohn zu behalten. Ein Studium wäre damals schon mal gar nicht drin gewesen.
Und dann verfolge ich gerade die Diskussion um die neuen deutschen Bachelor Abschlüsse, von denen einige behaupten, dass diese im Grunde keine wirklichen akademischen Abschlüsse sind. Nicht auszudenken was ich da für Probleme bekommen würde wenn ich diese hier übersetzen und anerkennen ließe. Bereits jetzt habe ich damit Probleme da ich nur Berufsausbildungen habe. Eine sehr bekannte Bewertungsorganistation hier in den USA hat mir dafür zwei College Abschlüsse gut geschrieben und die Uni gar nix trotz meiner hohen Punktzahl im TOEFL Test und Unmengen von Credit-Hours aus meinen vorherigen Berufsausbildungen, weswegen ich nun ganz von vorne anfagen muss. Macht ja doch jeder was er will. Offiziell habe ich hier zumindest einen regulären High School Abschluss und kann somit machen was ich will. Und dann ist da noch die Kontroverse: Online Degree versus regulärer Campus Besuch, eine Diskussion die es so in Deutschland vielleicht erst in zehn Jahren oder so geben wird. Ich bin da der Zeit ein wenig vorraus.
Mein zukünftiges College gehört nämlich zur größten privaten amerikanischen Uni die Studiengänge komplett online anbietet. Ausgerichtet sind die Programme für Leute mit Beruf und oder Familie die eben unflexibel sind. Meine Freundin B., 33 Jahre, hat bei eben jener Uni gerade ihren Bachelor in Business Administration gemacht und fängt nächste Woche mit ihrem Masters an. Freundin B. hat drei Kinder, hatte bis vor kurzem noch einen Vollzeit Job und einen Mann der gerade im Irak rumschwirrt. Typische amerikanische Familie halt, always busy. Sie kommt mit wenig Schlaf aus, muss sie auch denn sonst hätte sie das alles gar nicht machen können. Ich weiss noch wie beschäftigt sie immer mit irgendwelchen Bücher oder Assignments war, die sie für die Uni lesen bzw. fertig machen musste.
Das schöne an diesen Studienangeboten ist, dass man wirklich am Ende der Welt, ganz alleine und nackt auf einer einsamen Insel, unter einer Palme, sitzen könnte, mit seinem Laptop auf dem Schoß, einem Wireless Internet Zugang um ein Psychologie Studium zu absolvieren.
Auf der anderen Seite behaupten manche Leute so ein Abschluß wäre weniger wert weil natürlich das ganze Akademische Umfelt anders aussieht. Es gibt zwar sehr wohl virtuelle Klassenzimmer, Interactions mit anderen Studenten und Online Resources, nur halt keine Universitäts-Bibliothek und keinen verwirrten Professor und schon gar keine Komilitonen, die da rechtsradikale Äußerungen von sich geben, so wie z.B. in Deutschland. Auf die coolen Studenten Parties muss ich leider auch verzichten. Alles was neu ist macht auch Angst und wie kann man das eine System mit dem andern vergleichen wenn Zielgruppen und Ausführung so komplett unterschiedlich sind. Es ist eine Diskussion wie die zwischen E-Book und gedrucktem Buch, nur halt anders.
Klar gehe ich jetzt auch ein bißchen auf Risiko. Was ist wenn mein Abschluss später das Papier nicht wert es auf dem er gedruckt steht?
Dann wiederum denke ich mir, dass ich sowieso in eine Computer orientierte Richtung gehe und es daher eher von Vorteil ist so viel Zeit wie möglich daran zu verbringen. Bedeutet so ein Online Studium nicht auch, dass man Mut hat, unabhängig ist und was Neues wagt?
Immerhin ist die Uni von vielen akademischen Stellen anerkannt, greift auf Regierungsbeihilfen zurück, wird gefördert und viele Arbeitgeber, auch Top Fortune Companies bezahlen ihren Mitarbeitern Kurse, die sie an jener Uni nehmen.
Und dann wiederum hab ich sonst nur begrenzt Möglichkeiten zu studieren, mit bleibt nix anderes übrig. Denn wie man es auch macht, irgendwem passt es immer nicht. So kann ich mich wenigstens noch voll und ganz auf die Familie konzentrieren, auf das Leben als Army Wife mit all den Vor- und Nachteilen und auf einen Beruf, den ich hoffentlich ausüben werde.
Wish me luck!






