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Wir Frauen fühlen uns ja bekanntlich immer zu dick. Insbesondere die dicke Mitte wie Bauch, Beine und Oberschenkel rauben uns in der Nacht den Schlaf. Wir sind so verunsichert darüber, dass wir ständig unsere Männer fragen müssen ob sie uns denn auch nicht zu dick finden. Diese sind dann genervt, verstehen unser Problem mal wieder nicht, da ein wenig Fleisch auf den Knochen durchaus sexy sein kann. Unser  Problem ist so severe das ich folgende Begebenheit erzählen muss: Ein Unternehmer, der in der Bekleidungsbranche tätig ist, und den ich zufällig mal kennenlernen durfte erzählte einmal, dass sie ihre Kollektionen immer ein klein wenig größer machen, so dass die Damen immer in die nächstkleinere Nummer passen und sich dann gut fühlen.
Anyway, ich hab beschlossen, dass ich auch so gerne wieder in die nächstkleinere Größe passen möchte. Daher jammerte ich meinem Mann vor, dass ich gerne den Weight Watchers beitreten möchte da ich von verschiedenen Damen gehört hätte, das dies wirklich hilft. Mein Mann verstand mich mal wieder nicht und meinte nur, dass es lediglich ein wenig Durchhaltevermögen braucht um abzunehmen. Der Mann hat gut Reden, der macht ja jeden Tag ein volles Sportprogramm und Frauen müssen ja bekanntlich dreimal so lange trainieren um Resultate zu sehen. Allerdings scheint es mir falsch Geld auszugeben um abzunehmen also musste ich mich nach einer Alternative umsehen.
Das Government hat zum Beispiel ein tolles Gratis-Tool.  Ich bin kein Fan von Ernährungsplänen, einfach weil ich ein spontaner Koch bin. Jene .gov webseite beruht auf einem einfachen System. Ich gebe jeden Abend ein was ich gegessen hab und kriege dann eine komplette und kostenfreie Analyse. Insgesamt dürfte ich 2035 Kalorien zu mir nehmen um mein Gewicht zu halten. Nebenbei sagt es mir ob ich genug Obst und Gemüse, Ballaststoffe usw. zu mir genommen hab. Wenn ja, dann kriege ich dort kleine gelbe Smiley faces und wenn nicht dann einen frown, das Gegenteil von einem Smiley face. Heute ist der vierte Tag und die letzten drei Tage waren für mich eine schockierende Offenbarung, insbesondere was den Salz- und Fettanteil in meiner Nahrung betraf. Jetzt jedoch wache ich morgens auf und überlege genau was ich heute essen muss um überall smiley faces zu sehen.
Auf der gleichen Seite kann man auch seine täglichen Aktivitäten eingeben um den tatsächlichen Kalorienverbrauch besser abschätzen zu können. Laut jener Webseite sind kleine Kinder wahren Kalorienverbrenner.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Spazierengehen. Ich gehe in den kühleren Abendstunden immer spazieren. Dabei treffe ich öfter mal meine Nachbarn die mir dann immer erzählen, dass sie eigentlich auch mehr für ihre Bewegung tun müssten. Eigentlich gehe ich jedoch weniger der Bewegung wegen spazieren sondern für meinen psychischen Ausgleich, es hilft mir beim Denken. Das erinnert mich an das kleine Booklet welches die GIs bekommen wenn sie in Deutschland stationiert werden. Darin steht so ungefähr, dass wir Deutschen gerne spazieren gehen und gerne Brillen tragen. Guys, it`s a tschörmän thing!
Manchmal begleitet mich sogar Freundin B. auf meinen Spaziergängen, stilecht mit übergoßer Sonnenbrille, ausnahmsweise mal nicht im Blümchenkleid, offenem Haar und Wasserflasche. Wir führen dabei interessante Gespräche:
„Habt ihr eigentlich auch sowas wie Hollywood in Tschörmänie? Einen Ort wo Stars wohnen?“
Überleg, überleg…..
„Nö, uns fehlt dazu der nötige Glamour…! Unsere Stars sind eher intellektuell und nur ein bißchen hübsch, von Glamour keine Spur, leider. Die glamourösen Zeiten sind a thing of the past. „
Ich muss an Potsdam denken, Potsdam Babelsberg um genau zu sein. Gibt es dort ein kleines Hollywood? Oder muss man weiter nach Sanssouci fahren um Glamour zu spüren? Ich mag Glamour und es mag sein das darin die Faszination der Deutschen für Amerika liegt.  Stars und Sternchen, so unglaublich divenhaft und glamourös, Geld und Palmen, schicke große Autos und Pools. In Deutschland versteckt man eher seinen Reichtum. Wo waren wir? Ich schweife ab, wie kam ich nur vom Abnehmen nach Potsdam?
Wie dem auch sei, das Gym ist nur ein paar Häuser weiter und wenn ich wieder darf, dann wird dort wieder trainiert für straffe Oberschenkel und einen flachen Bauch….

Letztes Wochenende war mein Mann mal wieder irrsinnig froh, dass ich eines von meinen Besichtigungszielen ausgekramt habe.
„Willst du die Wegbeschreibung aufschreiben?“
Ja, wollte er. Wir fuhren dann irtümlicherweise bis an die Grenze von New Mexico und dann wieder zurück und endeten in einer schlimmen Gegend voller homeless people zwischen Bahnschienen und auf einer Schotterpiste. Familienstreit!
Ein Anruf genügte und ein Freund schaute mal in seinem GPS nach und endlich fanden  wir unser Ziel. Das Haus der Familie Magoffin downtown El Paso, Geburtsstätte der Stadt El Paso. Ein bißchen Geschichte schadet schließlich nie. Dort angekommen, hatten wir gerade noch so die Tour verpasst und hätten eigentlich eine Stunde auf die nächste Tour warten müssen. Eine freundliche junge Dame jedoch nahm sich unserer an, vermutlich weil wir die zwei Kinder dabei hatten und sie uns nicht zumuten wollte solange zu warten. So bekamen wir unsere persönliche sehr ambitionierte Tourführerin. Als der erste Magoffin die Handelsstraßen von Chihuahua bis in die heutigen Staaten hinein bereiste war dies noch wildes Land. Der älteste Teil des Hauses ist daher noch aus Adobe hergestellt. Adobe ist eine Mischung aus Sand, Lehm, Pflanzenteilen und schlimmstenfalls Tierpoop. Wir kamen allerdings nicht um uns nur Wände anzugucken.
Das Haus mit seinen 3 Flügeln, unzähligen Räumen enthält eine sehr schöne Sammlung von Möbeln und Gegenständen aus dem 19 Jahrhundert bis hinein in die ersten zwei Jahrzehnte des 20igsten Jahrhunderts.
Der romantische Teil meines Herzens macht Luftsprünge bei solchen historischen Orten. Ich hätte gerne in jener Zeit gelebt. Hauptsächlich deswegen weil die Leute so einen Hang zu Rüschen, Schörkeln, Blättern und Blumen hatten. Es gab Drama und Feen und Elfen, die Damen trugen ihr Haar hochgesteckt und Puffärmel und Korsetts, zarte weiße Handschuhe und Hüte. Unsere Tourführerin muss genauso fühlen. Sie erzählte mir, dass sie normalerweise an den Wochenenden in Kostümen rumlaufen, nur eben gerade dieses Wochenende nicht.
Sie, die Tourführerin erzählte mit leuchtenden Augen die Familiengeschichte der Magoffins, immerhin hatten sie 110 Jahre in dem Haus gelebt, bevor die Stadt El Paso und das Land Texas beschlossen das Haus zum kulturellen Erbe zu machen. Die Magoffins waren maßgeblich am Bau der Eisenbahn beteiligt ohne die, diese Stadt niemals hätte entstehen können und alles was man hätte hier sehen können wäre das historische Ft. Bliss gewesen.
Einige Exponate erweckten sogar das Interesse meines sonst eher weniger an Geschichte interesierten Mannes. Die Leute hatten tatsächlich einen getrockneten aufgeblasenen Kugelfisch am Kronleuchter im Salon hängen. Die freundliche Dame erklärte uns, dass man dies früher quasi als Statussymbol dort hingehungen hatte. Meine Vermutung ist, dass es mit fernen Reisen in fremde Länder assozieriert wurde. Tatsächlich unternahmen die Magoffin Männer und auch einige der Frauen zahlreiche Reisen. Irgendeiner von denen kaufte seiner Frau auch ein traumhaftes Schlafzimmerset, veredelt mit deutschem Silber und italienischem Marmor. Das dunkle Holz war nach allen Regeln der Kunst verschnitzt. Der Traumhafte Baldachin verschleierte das Bett mit weißem, durchscheinendem Stoffe. Äußerst unromantisch: Damals schlief man im Sitzen um nicht mitten im Schlaf durch Atemprobleme zu sterben. Tuberkulose ließ grüßen. Zehntausend Kissen machten es der Dame des Hauses bequem.
Irgendeiner der Familie war auch ein berühmt-berüchtigter Partymensch. Seine Feiern waren legendär, beinhalteten nicht selten fünfgängige Menüs und fingen manchmal erst um 12 Uhr nachts an. Ich würde auch gerne Partys schmeißen von denen man noch 100 Jahre später zu berichten weiß.
Im Garten stand ein Olivenbaum und neben dem Haus gab es sogar einen Kräutergarten. Ich tat das, was schon meine Mutter mit mir gemacht hatte. Ich schnappte meinen Sohn und ließ ihn einige Blättchen im Kräutergarten pflücken und hielt ihn an diese zwischen seinen Fingern zu zerreiben. Der Geruch von Pfefferminze, Liebstöckel und Majoran entfaltete sein Aroma. Und ich dachte darüber nach wie schön es wäre ein ganz simples Leben zu führen, ohne Strom, ohne Computer, ohne Fernsehen.
Ein großes Haus, einen Kräuter-, Rosen- und Gemüsegarten, Hühner und andere Tiere, nähen am Abend – Kleidung für die Kinder und mit Spitze versäumte Bettwäsche. Aufstehen bei Sonnenaufgang, den Bienen zuschauen wie sie in den Kirschblüten ein und ausfliegen. Ach ja, das Leben könnte so romantisch sein. Träumen wir nicht alle ab und zu davon?
Ich zumindest werde mich noch lange an jenes Haus erinnern und nachts davon träumen wie ich vor dem riesigen Spiegel meinen Hut aufsetze, meine Handschuhe überstreife und dann im Esszimmer eine lustige Party gebe.

Manchmal wacht man auf und der noch unverbrauchte Morgen wird auf unerklärliche Weise von einer schweren Traurigkeit überschattet. Mechanisch verrichtet man alle notwendigen Tätigkeiten, mit dem Gefühl die Tränen unterdrücken zu müssen. Es ist nicht immer einfach eine Frau zu sein. Es gibt zwei Möglichkeiten die zu solchen Gefühlsvertiefungen führen. Man könnte entweder etwas ganz Furchtbares geträumt haben an das man sich nicht mehr erinnert oder man hat schlicht und einfach HORMONSCHWANKUNGEN. Letzteres treibt seine unschönen Blüten auch im Gesicht in Form von roten Pusteln, die sich auf schneeweißer Haut ausbreiten wie ein Ölteppich am Norseestrand. Spätestens dann wird es Zeit, dass man sich als Frau mit sich selbst beschäftigt.  Unglücklich outside und inside stellt man fest, dass es mit zunehmendem Alter wichtig ist die Balance zu finden zwischen der körperlichen und seelischen Pflege und den täglichen Aufgaben, die die Umwelt an einen stellt.  Und woher kommt dieses ungemütliche Ungleichgewicht? Von den 10 Kilos die man seit der Geburt des letzten Kindes noch zu viel auf den Rippen hat, davon dass man sich nicht die Zeit nimmt sich selbst zu verwöhnen und natürlich von dem ganzen Balast den man in den letzten Jahren in der Seele angesammelt hat.
Männer mögen grundlose Stimmungsschwankungen nicht so leicht nachvollziehen können und auch nicht die Methoden mit welchen Frauen versuchen diese wieder los zu werden. Frauen fühlen sich prinzipiell besser wenn sie beim Friseur waren, neue schicke Klamotten einkaufen, Pflegeprodukte wie gutriechende Cremes, Lippenstift, Nagellack usw. erbeutet haben und vom Herzallerliebsten noch etwas Goldenes, Glänzendes in einer kleinen Samtkiste bekommen.
Manch eine Frau mit depressiven Verstimmungen könnte sich garantiert die Pillen sparen wenn man sie zu einem Make up Artist oder zu einem Friseur schickt und ihr danach eine Credit-Karte in die Hand drückt.  Ich habe neulich dann auch mal gemerkt, dass ich mich arg gehen lasse und es mir auch deswegen gerade nicht so gut geht. Wenn die allmorgentliche familiäre Stressrunde rum ist, setze ich mich erst mal mit einem Kaffee hin und lese Blogs und Nachrichten um runter zu kommen. Ich könnte in der Zeit aber auch meine Haare machen, mich schminken oder raus aus den Schlabberklamotten. Ich passe auch in viele meiner Prunkstücke einfach nicht mehr rein. Und das ist der deprimierende Teil zumal hier schon frühlingshafte Temparaturen herrschen, die ersten Frühlingsblüher zaghaft hier und da ihre Blätter rausstrecken und mit großen Schritten der Sommer naht. Sommer heisst hier, dass man nix verstecken kann. Es ist heiss und man bedeckt sich so wenig wie möglich um dem Schweiß die Fluchtversuche zu erleichtern.
Und dann am letzten Freitag war es dann mal wieder so weit. Seit über zwei Jahren mal wieder nur ein Frauenabend mit netten Mädels. In der Woche zuvor hörte ich mich nämlich folgenden Satz sagen: „Ich muss mir mal wieder ein paar Cocktails ins Hirn kippen“ oder sowas in der Art.
Nun braucht die Verwandlung von einer fast übergewichtigen Hausfrau zu einem wunderschönen Nachtfalter etwas mehr als nur Mascara. So brauchte es fast eine Stunde, bis meine Haare fertig waren, eine weitere halbe Stunde für Make up und dann musste ich mich auch noch in eine neue Strumpfhose zwängen. Wenigstens hatte ich keine Probleme in das Kleid zu kommen. Dieses war neu und – oh wie schrecklich - zum Großteil aus Polyester. Gott sei Dank sah man ihm nicht an, dass es vom Preis her eher in der unteren Kategorie lag.
Die Mädels und ich fuhren also nach Downtown, wo wir eigentlich an die Hotelbar wollten. Der Hintereingang lag gleich neben dem Parkhaus doch wir merkten schnell, dass die Bar total überfüllt war. Es spielte nicht nur eine Live Band sondern auch die College Footballspieler zogen wohl etliche Fans an. Wir verließen das Hotel durch den Vordereingang, wo uns der Portier nicht nur die Tür aufhielt sondern vier hübsche Damen mit ausländischem Akzent nicht alleine durch die Nacht laufen lassen wollte. Wir vermuteten er dachte wir seien Hotelgäste als er das Hotelschuttle kommen lies und uns ein netter Fahrer zum nächsten Club brachte.
Dieser befand sich ebenfalls downtown in einem alten Industriegebiet. Bar neben Bar und dazwischen Clubs. Wir drägten uns in eine überfüllte Bar und erst da merkte ich, dass ich nicht wusste was man heutzutage so trinkt. Ich überliess die Wahl der Bardame in goldenen Leggins und bekam ein schickes langstieliges Glas mit einer klaren Flüssigkeit und einer Cocktailkirsche auf dem Boden. Ich sah wohl so aus als würde ich Martini mit Blaubeergeschmack mögen. Die Bargäste waren zu 98% Hispanics mit schwarzem edlem Haar aber sonst hätte man auch gut in Hamburg oder in sonsteiner Großstadt sein können. Solche Bars gibt es wohl überall, Backsteinwände von denen der Putz abblättert, Lichtinstallation, es spiele Jamiroquai.
Wir verließen die Bar und während die Ghetto-Hip-Hop Generation sich lauthals aus den SUVs lehnte stöckelten wir umher auf der Suche nach einer anderen mysteriösen Bar, die wir nie finden sollten.
Es ging also zurück ins Hotel, wo sich die Bar etwas geleert hatte. Wir bekammen einen Tisch, Knabberzeugs und ich einen herrlichen Margarita und fühlte mich danach  merklich entspannt wie man hier sehen kann:

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So entspannt, dass ich danach nur noch Cola trank. Wir Mädels hatten wirklich einen lustigen Abend und das mondäne Hotel mit seinen dicken Teppichen, gepolsterten Stühlen und der Tiffany Glaskuppel bot das richtige Ambiente dafür. Wir beschloßen das öfter mal zu machen.
Mir geht es seit dem Abend merklich besser und die zusätzliche Energie brauche ich auch um die Mega Geburtstagsparty fürs Baby vorzubereiten. Am Samstag steppt hier nämlich der Bär. Das wird bestimmt lustig.
Und was lernen wir von dieser Geschichte? 1. Das man manchmal den inneren Freak rauslassen muss, 2. man so aussieht wie man sich fühlt bzw. sich fühlt wie man aussieht und 3. dass man sich das Taxi sparen kann wenn man ein Hotel durch die Hintertür betritt.
Ich wünsche euch noch eine schöne Woche.